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04.02.2008

18:46 Uhr

Yahoo-Übernahme

Microsoft gibt sich wettbewerbsfreundlich

VonWilliam Echikson (breakingviews.com)

Man kann davon ausgehen, dass sowohl die US-amerikanische als auch die europäische Kontrollbehörde bei der 45-Milliarden-Dollar-Akquisition ganz genau hinschauen werden. Aber dann werden sie den Weg freigeben. Lange schon halten die Aufsichtsbehörden Microsoft für einen Tyrannen. Im Augenblick erscheint der Konzern aber eher als Retter, der sich darum bemüht, den Wettbewerb aufrecht zu erhalten und der verhindern möchte, dass Google zur nächsten – Microsoft wird.

Microsoft kartellfeindlich: Wie sich die Zeiten doch ändern. Jahrelang haben die Wettbewerbshüter rund um den Globus Microsoft beschuldigt, sein De-facto-Monopol auf dem Desktop-PC auf unfaire Weise auszunutzen. Jetzt beteuert der gleiche Monopolist, dass sein 45-Milliarden-Dollar-Gebot für Yahoo die einzige Möglichkeit sei, Google davon abzuhalten, martbeherrschend zu werden – wie Microsoft.

Ein Kampf ist zu erwarten. Google hat bereits Protest gegen den Microsoft-Deal eingelegt. Eine Kombination aus Microsoft und Yahoo würde dazu führen, dass nur noch zwei ernsthafte Konkurrenten im lukrativen Anzeigengeschäft der Suchmaschinen übrig blieben. Eine Form der Konzentration, die bei Kartellbehörden schon lange die rote Lampe aufleuchten lässt.

Aber die Kontrolleure akzeptieren zunehmend, dass wenige starke Konkurrenten dem öffentlichen Interesse besser dienen können als viele schwache. Im Vergleich zu Google muss Yahoo kämpfen. Die Kombination mit Microsoft würde Yahoo finanziellen Rückhalt geben und die Chancen erhöhen, dass das Unternehmen zu einem zweiten starken Wettbewerber wird.

Die europäische Aufsichtsbehörde ficht den längsten und härtesten Kampf gegen Microsoft. Erst vor kurzem wurden neue Anklagen erhoben. Aber der Ton Microsofts in Brüssel hat sich verändert. Er ist längst nicht mehr so auf Konfrontation angelegt und vielen Beamten scheint Google inzwischen größeres Kopfzerbrechen zu bereiten.

Googles Anteil an Internetsuchen, der in den USA auf über 50 Prozent geschätzt wird, hat in europäischen Ländern wie Deutschland und Spanien bereits über 80 Prozent erreicht. Hinzu kommt, dass Google in Konflikt mit den sensiblen europäischen Datenschutzbestimmungen gerät. Auch wenn Google, anders als Microsoft, rein rechtlich nirgendwo als Monopol betrachtet wird, reicht die wachsende Marktmacht des Unternehmens, um nahezu jede Verbindung mit Yahoo abzulehnen.

Beide Seiten könnten aber aus den wachsenden rechtlichen Sorgen auch einen Gewinn ziehen. Microsoft könnte es gelingen, die EU-Kartellrechtler dazu zu bewegen, sich etwas eingehender mit Googles beabsichtigtem Kauf von Doubleclick zu beschäftigen. Im Gegenzug kann Google eventuell darauf hoffen, eine Microsoft-Yahoo-Kombination zu verhindern – oder sie zumindest zu verteuern – bis der nächste amerikanische Präsident gewählt ist. Der neue erste Mann könnte ja konservativere Vorstellungen über Kartellverletzungen haben, als sie augenblicklich vertreten werden.

Eins aber ist so gut wie sicher – hohe Honorare für die Juristen und Lobbyisten beiderseits des Atlantiks. Es ist davon auszugehen, dass Microsoft einige Teile von Yahoo wird abgeben müssen, wie zum Beispiel das Instant Messaging oder die E-Mail-Dienste. Die aber sind nicht Kern des Geschäfts und so werden die Kartellbehörden bis zuletzt genau prüfen – und dann den Weg frei geben.

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