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11.01.2008

10:47 Uhr

Zinspolitik des Federal Reserve

Bernanke mit dem Hackebeil

VonRichard Beales und Aliza Rosenbaum (breakingviews.com)

Der Chairman der US-Notenbank hört sich besorgt an. Bernanke scheint bereit, die Zinsen weiter zu senken – und zwar schnell. Das würde zwar den Erwartungen des Markts entsprechen, ist aber wohl nicht notwendig. Angemessenere wäre es, nicht nachzugeben und die Situation erst einmal einzuschätzen – so wie es seine europäischen Kollegen getan haben.

Fed-Chef Ben Bernanke wirkt besorgt. Foto: ap Quelle: ap

Fed-Chef Ben Bernanke wirkt besorgt. Foto: ap

Seinen jüngsten Bemerkungen nach zu urteilen, ist Fed-Chairman Ben Bernanke besorgt. In einer Rede am Donnerstag schien er sich auf eine weitere Senkung des Zielsatzes für Fed Funds in diesem Monat festzulegen – vielleicht sogar um 50 Basispunkte gegenüber dem derzeitigen Niveau von 4,25 Prozent.

Sicher, zu einem gewissen Ausmaß ist er den außerordentlich fragilen Märkten und einem wirtschaftlichen Umfeld ausgeliefert, das sich düsterer ausnimmt als in Europa. Aber seine Kollegen in London und Frankfurt – die mit einer milderen Variante derselben Probleme konfrontiert sind – haben es vorgezogen, eine Weile abzuwarten und die Situation erst einmal einzuschätzen – entgegen den Erwartungen einiger Marktteilnehmer.

So wie es aussieht, wäre Bernanke gut beraten, es ihnen gleich zu tun, selbst wenn dies die Märkte vorübergehend durchrütteln würde. Weitere Zinssenkungen vorzunehmen, wird noch nicht durch die unterschiedlichen Konjunktur- und Inflationsdaten abgedeckt. Und sie dürften auch relativ ineffektiv sein, weil die Investoren schon damit rechnen. Anstatt alle davon zu überzeugen, dass die Fed die Situation immer noch unter Kontrolle hat, würde eine Zinsrücknahme vielmehr die Gefahr heraufbeschwören, dass sich das Gefühl verstärkt, Bernanke habe bei der Inflationsbekämpfung das Handtuch geworfen und tue nur noch das, was die Wall Street in ihrer derzeitigen pessimistischen Stimmung verlangt. Die stetig steigenden Goldpreise lassen eindeutig darauf schließen, dass die Anleger mit einer wachsenden Teuerung rechnen.

Und Bernanke will doch ganz sicher noch reagieren können, wenn in den kommenden Monaten neue Konjunkturdaten auftauchen. Wenn die Zinsen allerdings zu stark und zu schnell zurückgefahren werden, würde dies den Zielsatz für Fed Funds alarmierend tief nach unten drücken. Die sehr niedrige Zinsen hatten die Fed unter Bernankes Vorgänger, Alan Greenspan, beunruhigt, denn sie hatten überhaupt keinen wirksamen Einfluss auf die Wirtschaft mehr. So weit ist Bernanke noch nicht. Aber zu viele präventive Zinssenkungen abzufeuern, trägt sicherlich nicht dazu bei, einen begrenzten Vorrat an trockenem Pulver zu bewahren.

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