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13.01.2010

11:16 Uhr

Zinssenkungen

Der dicke Gewinn der Notenbanken

VonMartin Hutchinson (breakingviews.com)

Der Gewinn der Federal Reserve hat sich 2009 um 47 Prozent erhöht, da die US-Notenbank mehr Vermögenswerte hielt und von den großen Spannen zwischen kurz- und langfristigen Zinsen profitierte. Finanziell gesehen hat die amerikanische Zentralbank damit einen Ansporn, Vermögenswerte zu verkaufen, bevor sie die Zinsen anhebt, Zinserhöhungen hinauszuzögern und Fannie und Freddie am Leben zu erhalten.

Die Federal Reserve profitiert mindestens genau so stark von der steilen Renditekurve wie ihre Schützlinge im Privatsektor. Die zwölf regionalen Ableger der US-Notenbank berichteten für das Jahr 2009 im Vorjahresvergleich über einen Anstieg der Gewinne um 47 Prozent. Finanziell gesehen hat die amerikanische Zentralbank damit einen Ansporn, Vermögenswerte zu verkaufen, bevor sie die Zinsen anhebt, Zinserhöhungen hinauszuzögern und die gigantischen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac am Leben zu erhalten.

Da die US-Notenbank im vergangenen Jahr Vermögenswerte über zwei Bill. Dollar hielt und vorwiegend an langfristigen, denn an kurzfristigen Zinsen verdiente, ist es kein Wunder, dass sich die Gewinne der Fed 2009 sprunghaft verbesserten. Wie die meisten Banken profitiert auch die Zentralbank davon, wenn die Langfristzinsen beträchtlich höher liegen als die kurzfristigen Sätze, zu denen sie sich finanziert.

Traditionell würde es der Fed auch zu Gute kommen, wenn die Zinsen generell steigen würden. Selbst heutzutage stammen 927 Mrd. Dollar ihrer Finanzierung aus dem Bargeldumlauf, auf den sie keine Zinsen zahlt. Weitere 994 Mrd. Dollar kommen von Bankreserven, auf die niedrige Zinsen fällig werden. Höhere Zinsen würden also ihre Nettorendite erhöhen.

Doch neuerdings ist dies nicht mehr ganz so einfach - angesichts der mittel- und langfristigen Wertpapiere über fast 1,8 Bill. Dollar, die die Fed jetzt inne hat und die sie zu einem großen Teil im Jahr 2008 über Programme zur Abfederung der Finanzkrise angehäuft hat. Die Zentralbank wendet keine Bewertung zu Marktpreisen an, außer bei den Maiden Lane-Vehikeln, die Vermögenswerte von Bear Stearns und American International Group erworben haben. Trotzdem würde ein Anstieg der Zinsen für die Fed zu einem Verlust führen, wenn sie sich dann dazu entschließen würde, Wertpapiere zu verkaufen.

Selbst im vergangenen Jahr, während die Risikoaufschläge bei den Fed-Beständen von Schuldtiteln und hypothekenbesicherten Wertpapieren von Fannie und Freddie gefallen waren, müssen die Bestände der Fed an langfristigen Treasuries im Wert gesunken sein, weil die Rendite der Zehnjährigen markant von 2,24 auf 3,84 Prozent geklettert war. Anziehende Zinsen würden den Marktwert dieser Bestände weiter in Mitleidenschaft ziehen.

Natürlich verfolgt die Fed geldpolitische Ziele und andere Absichten, die über Gewinnmotive weit hinausreichen. Aber rein finanziell gesehen, hätte die Fed einen Ansporn, ihre langfristigen Wertpapiere zu verkaufen, bevor sie die Zinsen anhebt - und die Renditekurve so steil wie möglich zu halten. Da die Fed mit rund einer Bill. Dollar bei Fannie und Freddie engagiert ist, dürften diese schwer angeschlagenen Institute wahrscheinlich überleben, solange die Fed mit im Spiel ist.

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