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25.05.2012

10:21 Uhr

Zschaber zündelt

Bald ist auch der letzte Torero arbeitslos

VonMarkus Zschaber

In Spanien gibt es aktuell gleich drei Krisenherde. Die Sparmaßnahmen und der Konsolidierungskurs des Staatshaushalts scheinen nicht aufzugehen. Es fehlt die Binnennachfrage und auch der Bankensektor ist geschwächt.

Markus C.Zschaber – Zschaber zündelt. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln

Markus C.Zschaber – Zschaber zündelt. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln

Was waren das für Zeiten als die Wirtschaft boomte und das fremdfinanzierte Wachstumsmodell noch funktionierte. Spanien ist das Land der Sonne, der Lebenslust und der Stierkämpfe. Es gab dort 75 Stierkampfveranstalter, 1.200 Zuchtbetriebe, 70.000 Beschäftigte – aber die Rezession ist auch dort angekommen. Bald ist auch der letzte Torero arbeitslos.

Die neuesten Arbeitslosenzahlen sind erschreckend, die Arbeitslosenquote befindet sich bei etwas mehr als 24 Prozent, somit sind rund 5,6 Millionen Menschen arbeitslos. Eine Besserung ist nicht in Sicht, denn Spaniens Wirtschaft zeigt massive strukturelle Probleme und ist erneut in der Rezession, welche aus unserer Sicht noch dramatischer ist als nach der letzten Finanzkrise. Dieses Mal sind es drei unterschiedliche Krisenherde: die Staatenkrise, die Wachstumskrise und die Bankenkrise.

Die Sparmaßnahmen und der Konsolidierungskurs des Staatshaushalts scheinen nicht aufzugehen – obwohl es eigentlich noch zu früh ist, um ein Fazit zu ziehen. Doch die Finanzmärkte bilden sich ihr eigenes Urteil und der Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten verteuert sich täglich. Das ist auch kein Wunder, denn den neusten Zahlen nach zu urteilen, musste selbst für das vergangene Jahr der Fehlbetrag im Haushalt nochmals auf 8,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) korrigiert werden.

Einige Zahlen veranschaulichen das: Laut einer Prognose wird die Staatsverschuldung 2012 bei 840 Milliarden Euro liegen (die Angaben beziehen sich auf den Gesamtstaat und beinhalten die Schulden des Zentralstaats, der Länder, der Gemeinden und Kommunen sowie der Sozialversicherungen). Die Staatsverschuldung in Relation zum BIP wird bei 80 Prozent liegen. Und bei der Gesamtverschuldung werden 470 Prozent des BIP erwartet (Darunter die Unternehmen mit 192 Prozent, die Banken mit 111 Prozent, die private Haushalte mit 87 Prozent und der Staat mit 80 Prozent).

Kommentare (5)

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25.05.2012, 10:34 Uhr

Die Matadores hätten auf Jahrzehnte gut zu tun, wenn sie sich statt der Bullen die spanischen Ochsen vorknöpfen würden. Sollten die damit je fertig werden, würden die Einwohner von Brüssel sicher eine Prämie zahlen, wenn man dort mal sich der Ochsenplage annehmen täte.

pensionskonto.de

25.05.2012, 10:48 Uhr

Eine öffentliche Versteigerung der "bad assets" der Bankia würde das Land mit einem Schlag für Investoren interessant machen und von Alt-Lasten befreien. Das ideenlose Polit-Gewürge ist nicht auszuhalten.

so_what

25.05.2012, 11:08 Uhr

Einem Medienbericht zufolge will die Bundesregierung die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen in der EU vorschlagen.
Nach Spiegel-Information hat die Bundesregierung einen Sechs-Punkte-Plan erarbeitet, wonach den Krisenstaaten der Euro-Peripherie steuerliche Vorteile und weniger strenge Regeln für ausländische Investoren eingeräumt werden sollen. Außerdem sollen die EU-Länder ihren Arbeitsmarkt – nach deutschem Vorbild - reformieren.

Diejenigen Länder mit hoher Arbeitslosigkeiten könnten ihren Arbeitsmarkt wie in Deutschland um ein duales Berufsausbildungssystem ergänzen, den Kündigungsschutz lockern und niedrig besteuerte und weniger abgabenbelastete Jobs ermöglichen. Des Weiteren schlage die Bundesregierung den Krisenländern vor, Treuhandanstalten nach deutschem Vorbild oder Privatisierungsfonds zu etablieren, die den Verkauf der zahlreichen Staatsbetriebe vorantreiben.

Der Sechs-Punkte-Plan sei der Beitrag, den Deutschland zur Diskussion um mehr Wachstumsförderung leisten wolle. Denn nicht nur die anderen EU-Staaten, auch die Opposition fordern mehr Wachstumsförderung.

Die SPD machte ihre zur Ratifizierung des Fiskalpaktes nötige Zustimmung von Wachstumsmaßnahmen abhängig. „Ich garantiere Ihnen, den Fiskalpakt wird es nur mit ergänzenden Wachstumselementen geben“, sagte SPD-Fraktionschef Steinmeier laut Spiegel. „Wenn die nicht kommen, wird es keine Zustimmung der SPD geben.“

Doch bei der geforderten Wachstumsförderung hat die SPD an andere Elemente gedacht, als sie im Sechs-Punkte-Plan stehen: „Ohne eine Besteuerung der Finanzmärkte, ohne eine Stärkung der Investitionskraft und ohne eine Ausweitung des Kreditvolumens der Europ. Investitionsbank wird die SPD den Weg der Bundesregierung nicht mitgehen", machte Oppositionsführer Steinmeier deutlich. Außerdem verlangte er, dass zuvor noch die Besorgnisse um die Finanzlage der Bundesländer ausgeräumt werden sowie das Mitspracherecht des Bundestages geklärt werden müssten.

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