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08.03.2012

10:00 Uhr

Zschaber zündelt

Bernanke hat Angst vor dem kalten Entzug

VonMarkus Zschaber

Der Chef der US-Notenbank hat die Märkte bereits auf einen weiteren geldpolitischen Stimulus vorbereitet. Das Fluten der Märkte mit Geld wird weitergehen. Warum Ben Bernanke keine andere Wahl hat.

Markus C.Zschaber – Zschaber zündelt. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln

Markus C.Zschaber – Zschaber zündelt. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln

Enttäuschung machte sich an den Finanzmärkten breit, als der amerikanische Notenbankchef Ben Bernanke vergangene Woche im Finanzausschuss des Repräsentantenhauses keine Silbe über ein drittes Liquiditätspaket der Notenbank Fed verkündete. Die Aktienmärkte gerieten daraufhin ins Schwanken und selbst das so beliebte Gold musste in kürzester Zeit Preiskorrekturen von rund 100 US-Dollar hinnehmen. Bernanke traf lediglich Aussagen über eine immer noch fragile Konjunkturentwicklung, mit relativ wenig Licht und immer noch viel Schatten. Außerdem beschrieb der Notenbankchef die Arbeitsmarktsituation als weit von der Normalität entfernt. Die Märkte reagierten irritiert und an den Börsen dieser Welt kamen Zweifel auf, ob eine weitere geldpolitische Aktion der Notenbank wirklich bevorstehen würde. Bis heute halten diese Zweifel an.

Ich betrachte Bernankes Aussagen als Vorbereitung auf einen kommenden geldpolitischen Stimulus. Ich möchte an dieser Stelle alle Marktteilnehmer beruhigen. Ich bin mir absolut sicher, dass das Geldfluten der Vergangenheit auch die nähere Zukunft prägen wird. Zwar zeigt die USA fundamentale Signale einer weiteren konjunkturellen Erholung, die Frage ist nur, wie nachhaltig diese sein werden.

Die Erholungen an den Arbeits- beziehungsweise Immobilienmärkten sowie der Absatz-, Investitions- und Produktionsentwicklung der amerikanischen Großindustrie bleiben sicherlich nicht unbemerkt. Allerdings bezweifele ich, dass diese Erholung ausreicht, um die strukturellen Probleme der USA wirklich in die richtige Richtung zu lenken.

Hinzu kommt, dass sich die Finanz- und Geldmärkte an die milliardenschweren Stützungsmaßnahmen der Fed und die daraus resultierende Überschussliquidität bereits sehr stark gewöhnt haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in einem Wahljahr ein „kalter Entzug“ stattfinden wird.

Kommentare (6)

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vandale

08.03.2012, 10:24 Uhr

Wir sind bedauerlicherweise Zaungäste eines gewaltigen wirtschaftlichen Experiments. Der ex. Notenbanker Grünspan suchte die Finantmärkte und die Weltwirtschaft mit der Geldmenge zu steuern. Dies tat er mit sehr niedrigen Zinsen. Die Dosis musste immer mehr erhöht werden. Andere Notenbanken, EZB, Bank of Japan, UK, beteiligten sich daran.
Das Ergebnis sind immer grössere Vermögenspreisblasen und eine immer massivere Geldschöpfung wenn diese platzen.
Mittlerweile haben diese Blasen die Staatsfinanzen erreicht. Die Politiker werden im Notfall ein Ende dieses Experiments, eine reduzierte Geldschöpfung hätte eine starke Rezession und zahlreiche Staatspleiten zur Folge, verhindern so dass dieses bis zum ???Ende gehen wird.

Das Ende dieses Experiments dürfte ziemlich spektakulär werden. Rezession, massiver Vermögensverlust, Hyperinflation?, Staatspleiten?, Verarmung der Altindustriestaaten?

Vandale

Vandale


MikeM

08.03.2012, 10:43 Uhr

Sehr richtig, nur sind wir leider keine Zaungäste, sondern sitzen im Boot. Wie kann man als Privatanleger darauf reagieren? Es kommt mir langsam vor wie das Spiel "Reise nach Jerusalem". Die Börsen steigen, alle machen mit. Bis die Musik irgendwann aus ist ...

Account gelöscht!

08.03.2012, 10:51 Uhr

Das Schießpulver des Fed sind neugedruckte, deckungslose Fiat-Dollars-QEs, mit denen die ganze Welt stufenlos enteignet wird.
Das gleiche verantwortungslose System wird jetzt auch von der Bad Bank EZB angewendet.
Mir ist das egal, denn ich werde zum Zeitpunkt X kein deckungsloses Papiergeld mehr besitzen.

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