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25.01.2013

10:08 Uhr

Zschaber zündelt

Davos – Ein Freiraum für Denke?

VonMarkus Zschaber

Jedes Jahr aufs Neue vereint sich die Elite aus Politik und Wirtschaft in Davos und diskutiert die Lage der Welt. Politiker tun sich keinen Gefallen, mit zu positiven Aussagen über das angebliche Ende der Euro-Krise.

Markus C.Zschaber – Zschaber zündelt. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln

Markus C.Zschaber – Zschaber zündelt. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln

Davos 2013 – in vielen Diskussionen wird ersichtlich, dass das Vertrauen in die Wirtschaft und Politik sich noch immer erschüttert ist. Zu tiefgreifend war die globale Finanzkrise, aber ganz deutlich ersichtlich ist, es gibt Hoffnungsschimmer – die Grundstimmung ist wesentlich positiver als noch vor zwölf Monaten. Der Glaube allerdings, dass sehr zeitnah nachhaltige Lösungswege gefunden werden, um beispielsweise gerade der Krise in Südeuropa „Herr“ zu werden, ist etwas gedämpft, so unser Eindruck.

Auf der anderen Seite steht die Politik, die sich mit positiven Zureden und populistischen Aussagen wie „das Schlimmste haben wir hinter uns“ oder „es geht jetzt wieder aufwärts“ versucht, im ökonomischen Kontext zu positionieren. Auch Klaus Schwab der Präsident des World Economic Forums (WEF) verkündete in seiner Eröffnungsrede, dass das Krisengerede ein Ende haben muss und forderte anschließend mehr konstruktive Denkweise. (In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an die Aussagen des Davos-Begründers Schwab im vergangenen Jahr, der das Wirtschaftsmodell des Kapitalismus als überfordert betrachtete.)

Grundsätzlich stimme ich Herrn Schwab sicherlich zu, dass konstruktive Lösungen der einzige Weg für eine strukturelle Heilung der Ungleichgewichte sind, welche zu den Verwerfungen in vielen Teilen Europas geführt haben. Aber wer die Kausalkette der Krise verstanden hat, wird auch einen Blick in Richtung des Bank- und Finanzsektors werfen und an neue Regeln oder gar Regulierung denken.

Noch wichtiger ist aber, dass sich vor allem die Politik mit zu positiven Aussagen keinen Gefallen tun wird, denn die Reformhürden die noch umgesetzt werden müssen, sind sehr sehr groß. Die Lernkurve aus der Vergangenheit zeigt eindeutig, dass bei zu positiver Stimmungslage der Ehrgeiz, die notwendigen Reformen zügig umzusetzen, konterkariert wird.

Ich persönlich bin der Überzeugung, dass eines der wichtigsten Themen die Erhöhung des Produktions- beziehungsweise Industrialisierungsniveaus in Europa ist. Fakt ist, wir haben in Europa und ganz explizit in der Euro-Zone nach wie vor ein absinkendes Produktionsniveau. Dies muss ein Ende haben. Hier steht die Politik in der Verantwortung.

Kommentare (7)

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bhayes

25.01.2013, 10:16 Uhr

In Davos vereint sich keineswegs "die Elite aus Politik und Wirtschaft". Und Denker gibt es dort auch nicht, schon gar nicht Bürger-orientierte.

Sondern: Dort vereinen sich die Bonzen des funktionärsfeudalistischen Ausbeutungssystems (mit den Parteien im Zentrum) mit den Konzernbonzen, um zu verabreden, wie man die normalen Bürger noch mehr auspressen kann, wie man sie noch mehr durch Klientelgesetze bluten lassen kann und wie man sie noch mehr knechten kann.

Schmarotzer

25.01.2013, 10:28 Uhr

Sehr richtig!
Wie man in dem Zusammenhang mit dem Treffen dieser Schmarotzer in Davos von "Eliten" sprechen kann, ist mir auch unerklärlich.

btw

25.01.2013, 11:08 Uhr

@bhayes:
Brav gesagt.

Tatsächlich könnte man zu so einem Eindruck gelangen angesichts der Medienberichterstattung.

Warum da im Board nicht gegengesteuert wird bleibt schleierhaft: schließlich ist auch Davos nicht dafür da Dissonanzen zu übertünchen, sondern um sie besprechbar, sie kommunizierbar zu machen - abseits vom Schlachtgetümmel des wirtschaftspolitischen Tagesgeschäfts.

Aber: man kann das natürlich alles auch ganz anders sehen: wie Sie es zum Beispiel geschrieben haben.

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