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09.01.2013

20:38 Uhr

Zschaber zündelt

Die Umverteilung hat begonnen

VonMarkus Zschaber

Die Finanzkrise hat dazu geführt, dass es keine Trennung mehr zwischen Geldpolitik, Fiskalpolitik und Aufsicht gibt. Risiken und Kosten der Krise werden den Sparern aufgebürdet. Die Hoffnung auf Besserung schwindet.

Markus C.Zschaber – Zschaber zündelt. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln

Markus C.Zschaber – Zschaber zündelt. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln

Die Finanzkrise, welche 2007 in den USA ihren Ursprung hatte und kurze Zeit später sogar noch verstärkt nach Europa kam und für realwirtschaftliche Verwerfungen in der Euro-Zone sorgte, hat durch verschiedene fiskal- und geldpolitische Maßnahmen in den letzten Monaten an relativem Einfluss verloren.

Fakt ist, dass schwerwiegende Finanzkrisen automatisch zu hohen Umverteilungen von Vermögen und Risiken führen, welches nicht zuletzt auf die staatlichen Finanzierungssyteme zurückzuführen ist. Seit mehr als fünf Jahren findet innerhalb der einzelnen Wirtschaftszweige eine starke Verteilung von Vermögen und Risiken statt. Das bekannteste und eindrucksvollste Beispiel ist sicherlich die Sozialisierung, sprich die Verallgemeinerung der Bankschulden. Durch massive Schuldenaufnahme der Staaten wurden Verlustrisiken von vermeidlich systemrelevanten Banken aufgefangen, während Kleinanleger oder Hausbesitzer diese Verluste selbst zu tragen hatten.

Kurzfristig erweist sich eine solche Vorgehensweise sicherlich als Beruhigung für ein ganzes System und führt dazu, dass sich die hohen Instabilitäten an den Finanzmärkten reduzieren. Langfristig wird der Umverteilungstrend von Vermögen und Risiken durch die geldpolitischen Maßnahmen weiter voranschreiten und gesellschaftliche Schäden verursachen.

Zschaber zündelt: Wohlstandsverluste sind zwangsläufig

Zschaber zündelt

Wohlstandsverluste sind zwangsläufig

Die Herausforderungen für die Wirtschaft, Gesellschaft, die Politik und die Finanzmärkte könnten größer nicht sein. Doch der Staat muss verstehen, dass er die privaten Unternehmen nicht ersetzen kann.

Bereits die Historie lehrt uns, dass nachhaltig aggressive geldpolitische Interventionen wie Zinssenkungen oder Anleihenkäufe, auf lange Sicht Vermögen sowie potenzielle Risiken verwässern oder umverteilen. Zinssenkungen unterstützen in erster Linie die Refinanzierung von Banken, die in einer Krise in Liquiditätsnöte geraten, während Anleihekäufe durch die EZB direkten Einfluss auf die Preise von Wertpapiere nehmen, beispielsweise historisch niedrige Anleiherenditen.

Vor allem Anleger von Lebensversicherung, Pensions- und Versorgungskassen, die wiederum nahezu ausschließlich in Anleihen investieren, aber auch Festgelder und Sparbücher, welche durch die Mehrheit der Bürger genutzt werden, leiden besonders darunter. Diese Erträge schrumpfen zusammen, während andere Anlagen deutlich an Wert zulegen, in die wiederum nur eine Minderheit investiert. Dies macht die Umverteilung von Vermögen sichtbar.

Wie angesprochen werden aber nicht nur Vermögen umverteilt, sondern auch potenzielle Risiken. Dadurch, dass die Notenbanken nicht nur Staatsanleihen aufkaufen, sondern auch andere Wertpapiere, wie etwa Hypothekenverbriefungen wird das Risiko der vorherigen Besitzer deutlich reduziert. Hierin liegt das eigentlich gravierende Problem, da die Notenbanken aufgrund dieser Maßnahmen durch die Märkte und deren Marktteilnehmer immer mehr als Rettungsschirm angenommen oder interpretiert werden.

Kommentare (8)

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Lungomolch

09.01.2013, 21:00 Uhr

Leidtragend ist v. A. der Mittelstand. Bei den Armen gibt es nichts zu holen. Die Reichen sichern ihren Wohlstand in Form von Realwerten, also Immobilien, Aktien, Edelmetallen.

Löhne und Gehälter des Mittelstands können bei einer Inflation nicht so schnell steigen wie das Geld an Wert verliert. Sie sind daher die Dummen.

esspi

09.01.2013, 21:36 Uhr

"Die Finanzkrise, welche 2007 in den USA ihren Ursprung hatte"

Ursache: Ungleichverteilung und Zwang zur "Nachfrage-auf-Pump";
Resultat: Überschuldung.

... und nun wird eben über die Inflation entschuldet.

Das ist wohl immer noch stabilisierender für Gesellschaft und System als eine desaströse Abwärtsspirale durch "Geldwertstabililität-hervorgerufene-Sparzwänge".


Goldstandard und brüning'sches Sparen in der Krise hatten wir schon - das Resultat sollte bekannt sein.

hellboy

09.01.2013, 23:19 Uhr

Da kenn ich aber noch was stabileres! Und zwar die Besteuerung auf grosse Vermögen über 1 Million Euro zu 50%! Dann wäre Deutschland von heute auf Morgen schuldenfrei!

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