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14.09.2012

14:06 Uhr

Zschaber zündelt

Niederlage für Greenspan und seine Heuschrecken

VonMarkus Zschaber

Die Notenbanken der angelsächsischen Ländern sorgen mit Ihrer Geldschwemme dafür, dass die Finanzmärkte nicht mehr wie echte Märkte funktionieren. In diesem Szenario bleibt der EZB nichts andere übrig als einzugreifen.

Markus C.Zschaber – Zschaber zündelt. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln

Markus C.Zschaber – Zschaber zündelt. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln

Mit Blick auf Reaktionen an den Finanzmärkten in den vergangenen 30 Monaten steht fest: Die Grundaussage von Alan Greenspan, dass Märkte sich immer in einer effizienten Verfassung befinden, ist endgültig widerlegt. Gerade die Preise und Kurse am Bondmarkt, aber auch an den Aktien- und Währungsmärkten, wurden zuletzt primär von zwei Einflussinstanzen beeinflusst, die außerhalb der freien Wirtschaft liegen. Wenn die Kurse rauf oder runter gingen lag es entweder an der Fiskalpolitik oder der Geldpolitik.

In der Eurokrise kam zusätzlich der Politikfaktor hinzu. Die Märkte reagierten auf die Vielstimmigkeit und Uneinigkeit der unterschiedlichen Regierungen in der Eurozone. Selbst innerhalb der deutschen Regierung gab es nicht nur eine Meinung, was viele Investoren in ihrer Meinung bestärkte, dass es keine einheitliche und vor allem nachhaltige Lösung für die Krise in der Eurozone gäbe.

Dies war der Nährboden für offensive Spekulationen gegen den gesamten Kapitalmarkt der Eurozone und unterstreicht die Instabilität der Finanzmärkte. Am offensichtlichsten zeigt sich das an den Refinanzierungssätzen von Spanien, Italien & Co. Die Länder wurde Opfer von spekulativen Angriffen, welche die Zinsen massiv in die Höhe getrieben haben und anschließend lange deutlich über einem fundamental gerechtfertigten Niveau hielten.

Ich bin davon überzeugt, dass ähnlich wie beim Angriff auf das EWS im Jahre 1992, auch in den letzten Monaten und Jahren Absprachen großer Marktteilnehmer getroffen wurden. Unter anderen die großen Hedgefonds mit Sitz an der Wall Street oder der City of London wollten so die Schwächen der Eurozone ausnutzen und offensive Spekulationen befördern.

Die enormen Risikoprämien, welche teilweise für Refinanzierungen verlangt wurden, untermauern die Annahme, dass bereits Wechselkursschwankungen innerhalb der Eurozone durch den Markt taxiert wurden. Das bedeutet, dass der Markt angeführt von großen Marktteilnehmern mit hoher monetärer Potenz, davon ausgingen, dass die Eurozone zerbrechen würde und mit ihr auch der Euro.

Finanzmärkte haben die Macht eigene Realitäten zu schaffen, dass unterschätzten Regierungen viel zu oft. Lediglich die Notenbanken und jetzt auch die EZB haben verstanden, dass sie die letzte Instanz sind. Nur sie haben jetzt die Möglichkeiten und die Kraft, ausufernden Finanzmärkten entgegenzuwirken und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

14.09.2012, 14:21 Uhr

"Fakt ist: die Eurozone hat hinsichtlich Neuverschuldung, Gesamtverschuldung, Gesamtverschuldung des privaten Sektors und der Reformpolitik massive Fortschritte erzielt, "

Ja, aber nur in der Richtung, dass eine Art Schuldenunion eingefuehrt wurde. Gehen wir mal die ganzen "Fortschritte" zurueck. Zu Beginn des Euros wurde endlos versichert, dass dieser Fall voellig undenkbar ist. Heute sieht es aber voellig anders aus.

Sie erkennen immer noch einen FORTSCHRITT?

Rechner

14.09.2012, 14:28 Uhr

O-Ton Zschaber
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Die Grundaussage von Alan Greenspan, dass Märkte sich immer in einer effizienten Verfassung befinden, ist endgültig widerlegt. Gerade die Preise und Kurse am Bondmarkt, aber auch an den Aktien- und Währungsmärkten, wurden zuletzt primär von zwei Einflussinstanzen beeinflusst, die außerhalb der freien Wirtschaft liegen. Wenn die Kurse rauf oder runter gingen lag es entweder an der Fiskalpolitik oder der Geldpolitik.
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Ach so.

Wenn Märkte auf exogene Faktoren reagieren sind sie nicht mehr effizient?

Selten so einen Unsinn gehört.

Immerhin weiß ich jetzt, wer mein Vermögen sicherlich nicht verwalten wird.

...

Das Märkte stets effizient wären will ich natürlich keineswegs behaupten.

Die "Beweisführung" Herrn Zschabers für ihre Ineffizienz läßt es aber leider an elementarer Logik fehlen.

Account gelöscht!

14.09.2012, 14:39 Uhr

"Ja, aber nur in der Richtung, dass eine Art Schuldenunion eingefuehrt wurde."

Wäre ja ohne diese Spekulationen nicht nötig gewesen. Man hätte ganz in Ruhe die Löhne einfrieren können, die Steuern und Sozialabgaben etwas raufschrauben können, so wie Deutschland das auch immer macht, zum Beispiel nach dem "Wirtschaftswunder".
Aber was ist statt dessen passiert? Deutschland mal wieder in seiner "Scheckheftmentalität" die Lehman-Bank quasi auf Kosten der deutschen Pleitebanken "gerettet", die natürlich andere Staatsanleihen nicht mehr bedienen konnten und schon hatte der Domino-Effekt seinen Lauf, und nun latscht eine Troika durch Europa und schurigelt allen die eigene Philosophie auf.
Damals hätten die Notenbanken noch die Möglichkeiten gehabt das zu retten, in dem diese das marode Zeugs aus den USA gleich an sich gezogen und auf Eis gelegt hätten. Aber dazu gabs noch keine rechtlichen Grundlagen.

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