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20.04.2012

11:26 Uhr

Zschaber zündelt

Spanien: Licht und Schatten

VonMarkus Zschaber

Spaniens Wirtschaft zeigt strukturelle Probleme, das Wachstumsmodell ist schon seit langer Zeit nicht mehr qualitativ intakt. Das Land wird Jahre brauchen, bis sich erste Erfolge zeigen - und frisches Kapital.

Markus C.Zschaber – Zschaber zündelt. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln

Markus C.Zschaber – Zschaber zündelt. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln

In den vergangenen zehn Jahren haben der private Konsum, der Tourismus sowie der Immobilien- und der Bausektor samt seiner Dienstleistungsaktivitäten das spanische Wachstum getragen. Noch bis Mitte 2008 hatten billige Kredite für einen beispiellosen Bauboom und steigende Konsumausgaben gesorgt, dann brach die Bautätigkeit sehr massiv ein. Die Binnenkonjunktur kam unter Druck, Wachstumsimpulse gingen von ihr nicht mehr im gewohnten Maße aus.

Vergleicht man die Entwicklung der Handelsströme, so wird deutlich, das Spanien immer mehr ausgegrenzt wurde. Die Handelsströme laufen um Spanien herum. Dies zeigt eindeutig auch die nach wie vor vorhandene Produktionslücke, welche die Krise aufgerissen hat.

Denn in der Finanzkrise versiegte der notwendige Kreditstrom, der bis dahin die spanische Wirtschaft befeuerte. Wie in den USA, wo die Finanzkrise ihren Ausgang nahm, brach auch in Spanien der Wirtschaftspfeiler „Immobilien und Bau“ ein. Dies verursachte einen Dominoeffekt, der sich auf nahezu alle Wirtschaftssparten ausbreitete. Was wir derzeit in Spanien wahrnehmen, ist, dass die Liquiditätströme nur noch das Land verlassen. Wir haben in Spanien ein Zahlungsbilanzdefizit, welches sehr ernst zu nehmen ist.

Außerdem offenbaren die schwache Innovationskraft und mangelnde Investitionen in Forschung und Entwicklung vor und nach der Wirtschaftskrise ein großes Loch in der Wettbewerbsfähigkeit der spanischen Produktionsgüter auf den weltweiten Absatzmärkten. Dies liegt unter anderem daran, dass die Unternehmensstrukturen in Spanien alles andere als auf dynamisches operatives, organisches Wachstum ausgerichtet sind. Mehr als 90 Prozent der Unternehmen haben weniger als 20 Mitarbeiter, mehr als 50 Prozent der Unternehmen sind sogar nur Einzelunternehmungen. Diese Strukturen schwächen die Innovationstätigkeit sowie die Positionierung im internationalen Wettbewerb entscheidend. Zudem wurde die Wettbewerbsfähigkeit der spanischen Unternehmen durch die überproportional angestiegenen  Lohnnebenkosten zusätzlich geschwächt. 

Spanien hat strukturelle Probleme hinsichtlich des eigenen Wachstumsmodells sowie hinsichtlich der Verschuldung der Privatwirtschaft (Bevölkerung & Unternehmen). Daraus ergibt sich eine sehr schwierige Situation am Arbeitsmarkt. Aktuell wird in Spanien eine Arbeitslosenquote von mehr als 22 Prozent gemeldet.  Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt sogar über 50 Prozent.

Kommentare (31)

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Account gelöscht!

20.04.2012, 11:43 Uhr

Spanien, Griechenland, Italien, Portugal und einige andere von denen man noch gar nicht spricht, brauchen die Bonds damit der deutsche Depp zahlen kann bis er umkippt, damit die weiter machen können wie bisher... das ist die ungeschminkte Wahrheit und das ist EU!!!

Observer

20.04.2012, 12:10 Uhr

Was Spanien braucht, ist eine eigene Währung. Nur Banken, Hedgefondmanager und Vermögensverwalter wie Herr Zschaber brauchen Eurobonds!

Bundesbuerge

20.04.2012, 12:14 Uhr

Gestern berichtete der Reporter bei dem Spiel von Atletico Madrid, dass der Verein trotz 400 Mio. € Schulden bei span. Banken den Spieler Falcao für 40 Mio. verpfichtet hat. Das trifft es sich doch gut, dass der deutsche Steuerzahler mit Eurobonds die span. Banken über den span. Staat unterstützen soll. Ähnliches gilt für Real Madrid. Dann können die span. "Vereine" so richtig erfolgreich Fussball spielen!

Für wie bekloppt hält man uns eigentlich?

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