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28.09.2012

09:41 Uhr

Zschaber zündelt

Spanien steht vor einer Tragödie

VonMarkus Zschaber

Der Binnenmarkt in Spanien erlebt eine Depression. Die Regierung hat nun zwei Möglichkeiten, um auf die Krise zu reagieren. Beide sind sehr schmerzhaft für das Land.

Markus C.Zschaber – Zschaber zündelt. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln

Markus C.Zschaber – Zschaber zündelt. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln

Was wir aktuell in Spanien erleben ist eine Tragödie. Auf der einen Seite lähmen Massenarbeitslosigkeit, schwindender Konsum, dynamische Kapitalflucht, eine tiefe Immobilienmarktkrise, steigende Unternehmensinsolvenzen und immer härtere Refinanzierungs-bedingungen die Realwirtschaft. Auf der anderen Seite verzeichnet Spanien durchaus Reformerfolge. Die Lohnnebenkosten sinken. 

Und eine Anpassung der strukturellen Defizite zum Beispiel in der Waren- und Dienstleistungsbilanz spricht für eine Verbesserung des Geschäfts- und Wachstumsmodells der Volkswirtschaft in der Zukunft. Diese Entwicklungen werden aber durch die internationalen Kapitalgeber quasi vollständig ausgeblendet, weil die aktuellen Herausforderungen so vielschichtig sind und es an Vertrauen in eine zeitnahe volkswirtschaftliche Genesung mangelt. 

Der Konsens des Marktes fokussiert nicht eine potenzielle Verbesserung, sondern ausschließlich die volkswirtschaftlichen Realitäten im gegenwärtigen Zustand, welche vor allem die spanische Bevölkerung im hier und jetzt befassen. Isoliert betrachtet verharrt vor allem die Binnenwirtschaft Spaniens auf einem desaströsen Niveau. Wir erleben derzeit nichts anderes als eine Depression im gesamten spanischen Binnenmarkt. 

Exakt dies führt dazu, dass die spanische Regierung offensichtlich nur zwei Wege hat, um auf die Krise zu reagieren. Beide werden sehr schmerzhaft für die Regierung und die Gesellschaft in Spanien sein. 

Die erste Option ist, dass die Regierung in Spanien weiterhin versucht mittels neuer Reformen das fehlende Vertrauen der internationalen Kapitalgeber durch ein Spar- und Reformprogramm nach dem anderen zurück zu gewinnen. Dadurch sollen die strukturellen Defizite weiter geschlossen werden und die Volkswirtschaft eine bessere langfristige Perspektive bekommen. 

Hier steht Spanien allerdings vor dem bereits beschriebenen Problem, dass die Schuldner nur auf die aktuellen Konjunkturdaten achten, die sich durch die Sparmaßnahmen erst einmal verschlechtern werden. Der Sparkurs führte zu einer dynamischen Verschlechterung der allgemeinen Konjunkturlage, angeführt durch die starken Einbrüche in der Privatwirtschaft und bei den Investitionen. Dies wird sich durch die „ökonomische Strategie“, wie Präsident Rajoy seine Reformprogramme nennt, kurzfristig nicht ändern. 

Die Folge ist, dass die Renditen für die notwendige Refinanzierung trotz aller Ankündigungen der Europäischen Zentralbank (EZB) jüngst bereits wieder anstiegen und zwar, beispielsweise bei 10-jährigen Staatsanleihen, über sechs Prozent. Diese Marke ist bedeutsam, weil die steigenden Staatsausgaben auch durch die steigenden Zinslasten beeinflusst werden. Der Druck auf den Refinanzierungsmärkten für Spanien steigt also wieder.

 

Kommentare (36)

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Account gelöscht!

28.09.2012, 10:00 Uhr

"Die große Unbekannte bleibt aber, ob sich die Regierung trotz eines Hilfsantrags und der damit begleitenden noch schärferen Reformprozesse in Amt und Würden halten kann. Wenn nicht, werden die Unsicherheiten um Spaniens Zukunft noch mal ansteigen."

Das ergibt sich aus der Historie. Spanien wählt beim nächsten Mal mit Sicherheit nicht mehr konservativ, es sei denn die Wirtschaft läuft, psychologisch betrachtet, besser. Aber auch dann bezweifle ich das, denn bei der vorletzten Wahl haben die Konservativen u. a. verloren weil diese Soldaten in den Irak geschickt haben, womit über 80% nicht einverstanden waren. Der Spanier wählt nicht unbedingt nach Erfolg oder Mißerfolg wirtschaftlichen Maßnahmen, und wenn Rajoy sich unter den "Schirm" drängen läßt, ist es vorbei. Der Stolz ist in Spanien größer, der hängt hier nicht am Geld allein.

MikeM

28.09.2012, 10:19 Uhr

Es gibt noch eine Dritte Option: Austritt und Abwertung der neuen Peseta. Aber das wäre fatal für die Eurokraten, weil dann ersichtlich wird, dass es den Ländern ohne Euro besser geht.

Account gelöscht!

28.09.2012, 10:20 Uhr

Man kann ein Schnitzel nur einmal essen!

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