Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.10.2012

16:39 Uhr

Zschaber zündelt

Wenn ein Stein fällt, fallen auch andere

VonMarkus Zschaber

Die Politik hat lange nicht die richtigen Rezepte gegen die Euro-Krise gefunden. Jetzt erst stellt sie die richtigen Weichen. Der Paradigmenwechsel könnte gelingen.

Markus C.Zschaber – Zschaber zündelt. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln

Markus C.Zschaber – Zschaber zündelt. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln

Ein Blick zurück auf das Jahr 2012. Während im ersten Quartal 2012 die große Liquiditätsflut die Vermögenspreise von Aktien, Unternehmensanleihen & Co. enorm hat steigen lassen, kam bereits im zweiten Quartal das Schreckgespenst der Systemkrise in der Euro-Zone wieder zurück in den Fokus des Marktes – und der Politik.

Die Dramaturgie der Krise in der Euro-Zone spitze sich rasant zu, Politiker aus allen europäischen Nationen brachten immer neue Lösungsvorschläge hervor um ihre eigenen politischen Interessenslagen in den Blickpunkt zu rücken. Mehrstimmigkeit und Absurditäten führten zu hohen Dimensionen der politischen Inhomogenität in der Währungsunion. Der Nährboden für Spekulationen gegen die Euro-Zone war geschaffen und nicht wenige Marktteilnehmer aus den USA und der City of London nahmen diese politische Vorlage an. Kapitalströme flüchteten aus Spanien, Griechenland und vielen anderen südeuropäischen Nationen, gleichzeitig versiegten Investitionsströme aus dem Ausland mit weiter zunehmender Dynamik.

Starkes Misstrauen in das europäische System war in allen großen Wirtschaftsräumen spürbar beziehungsweise überall auf der Welt wahrzunehmen. Hinzu kam, dass sich die bereits fortschreitende Rezession in der südlichen Peripherie Europas nochmals massiv beschleunigte, um einen perfekten ökonomischen „Sturm“ zu schaffen, der den Namen Depression trägt und von deflationistischen Entwicklungen immer wieder angefacht wurde.

Die Politik unterschätzte vollständig die Wirkungsketten ihres unzureichenden Krisenmanagements. Rückkopplungseffekte, welche diese erneut aufflackernde Systemkrise, die zuvor durch EZB-Geld stillgehalten wurde hervorriefen, sind heute in vielen Teilen der Weltwirtschaft zu spüren. Das Vertrauen in die zyklischen, konjunkturellen Entwicklungen schien einmal mehr gestört zu werden und Zurückhaltung bei Investitionen standen erneut an der Tagesordnung. Die Kapitalmärkte verloren schnell das Vertrauen in Europa und genauso schnell in Asien. Die großen Marktteilnehmer aus den angelsächsischen Räumen brachten ihr Kapital „lieber“ erst mal nach Hause um es in Sicherheit zu wiegen.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

azaziel

19.10.2012, 19:53 Uhr

„Fakt ist, die Notenbanken rund um den Globus werden ihre Feuerkraft beibehalten...” und damit die Weltwirtschaft in Schutt und Asche bomben!

Es wird uebersehen, dass die Ueberschussliquiditaet der Banken ihren Weg in die Realwirtschaft ueber Anlage in Rohstoffen findet, wo sie Preissteigerungen verursacht. Kein Produzent, der diese Rohstoffe verarbeitet, kann seine Produkte auf Dauer unter seinen Kosten anbieten. Er wird also seine Preise erhoehen muessen um steigende Rohstoffkosten aufzufangen. Wenn er zu den hoeheren Preisen seine Produktion nicht absetzen kann, verringert er die Produktion. Inflation sich selbst ueberlassen laesst Guetermaerkte letztendlich zusammenbrechen. Deflationistische Tendenzen? Wir werden sehen.

WirWarenMalDasVolk

19.10.2012, 20:58 Uhr

Genau. Das "QE3"-Programm der FED z.B. ist bereits nicht mehr sterilisiert -die FED hat mit ihrer "Operation Twist" bereits die letzten Mittel zur Geldabschöpfung aus der Hand gegeben. In anderen Worten: Ab jetzt wird nur noch zusätzliches neues Geld gedruckt, das nicht mehr aus dem Verkehr gezogen werden kann -ausser durch Crash oder Inflation.
Die EZB ist auf demselben Weg, die TARGET2-Salden sind z.B. unrettbar verloren.

Game over.

Account gelöscht!

19.10.2012, 21:14 Uhr

Irrtum: Die Preise steigen erst dann, wenn die Nachfrage mit den verfügbaren Kapazitäten nicht mehr gedeckt werden kann. Das gilt genauso für Rohstoffe, denn eine Spekulation auf Preissteigerung in diesem Sektor bricht genauso zusammen wie alle Finanztransaktionen, die mangels dauerhafter Nachfrage keine Zusatzrenditen abwerfen. Davon sind wir meilenweit entfernt. Alle Überschußliquidität wird geparkt oder geht in Finanzanlagen oder Spekulationen. Sie leistet volkswirtschaftlich betrachtet keinen Beitrag zu Wachstum und Wohlstand, kann aber auch die Preise nicht dauerhaft treiben, da jeder Euro der dort investiert wird, dem Privatsektor entzogen wird. Der wirklich begrenzende Faktor ist die Risikobereitschaft der Banken, dem produktiven Bereich ausreichend Kredite zur Verfügung zu stellen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×