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29.01.2010

12:33 Uhr

Zweite Amtszeit

Bernanke braucht neue Ideen

VonRichard Beales (breakingviews.com)

Eine radikale Kursänderung steht nicht zu befürchten. Aber der Dissens, der sich bei der Abstimmung zu seiner Wiederwahl im Senat zeigte, lässt einige Anpassungen erwarten. Größere Wachsamkeit gegenüber Blasenbildungen an den Kapitalmärkten, Haushaltsdefiziten und in der Frage der Unabhängigkeit der Fed sollten auf seiner Tagesordnung stehen.

Ben Bernanke braucht frische Ideen für seine zweite Amtszeit bei der Fed - und vielleicht eine Prise Reue. Ein radikaler Kurswechsel steht allerdings nicht zu befürchten. Aber das 70:30 Wahlergebnis im Senat, mit dem er für eine zweite Amtszeit an der Spitze der US-Zentralbank gewählt wurde, zeigt ein ungewöhnlich hohes Dissens-Niveau. Es könnte einige Kursanpassungen anstoßen.

Bernanke ist nicht gerade begierig darauf zuzugeben, dass die expansive Geldpolitik der Fed dazu beigetragen hat, die Kreditblase und die anschließende Krise hervorzurufen. Stattdessen schiebt er die Schuld auf die schwache Bankenaufsicht. Und als Begründung für die fortgesetzte Niedrigzinspolitik führt er die Notwendigkeit an, der drohenden Deflation begegnen zu müssen - die, wie sich jetzt zeigt, wohl eher eine gefühlte als eine reale Bedrohung war.

Die geldpolitischen Experten der Fed werden vielleicht lieber im Stillen von der Überzeugung des Bernanke-Amtsvorgängers Greenspan abrücken wollen, dass die Zentralbank erst gar nicht versuchen sollte, Blasenbildungen zu verhindern. Dabei wäre aber ein stärker öffentliches Eingeständnis, dass die Fed die Zinsen zu niedrig festsetzte, höchst willkommen. Und das Versprechen, in Zukunft auf offensichtliche Übertreibungen an den Märkten zu reagieren, könnte Bernankes Glaubwürdigkeit erhöhen, gerade jetzt, wo die nächste Zinsanhebung nicht mehr weit sein kann.

Für sein Ansehen jedenfalls muss Bernanke etwas tun. Selbst Paul Volcker hatte 1983 bei seiner Wiederwahl zum Chef der Federal Reserve nur 16 Senatorenstimmen gegen sich, und dass, obwohl er zuvor durch seine restriktive Geldpolitik dazu beitrug, Amerika in die Rezession zu stürzen.

Auch das, was von der politischen Unabhängigkeit der Fed noch übrig ist, steht auf dem Spiel. Bernanke hat bei den teuren Bankenrettungsaktionen der Regierungen Bush und Obama ohne große Bedenken mitgezogen. Wahrscheinlich war er der Meinung, dass sie die beste Lösung waren, aber jetzt sollte er dafür sorgen, dass die Fed weniger wachsweich wirkt. Zum Beispiel könnte er sich öffentlich dafür stark machen, dass die Regierung mit der konjunkturellen Erholung der Wirtschaft entschlossen gegen das Haushaltsdefizit vorgeht.

Bernanke befürwortet eine Zentralbank mit weiter reichenden Aufsichtsfunktionen - von dieser Position sollte er allerdings abrücken, wenn die Unabhängigkeit der Fed darunter leiden sollte, wenn also mit dem größeren Einfluss zum Beispiel Audits der geldpolitischen Entscheidungen einhergehen. Der Einsatz für eine unabhängige Zentralbank ist wichtiger als zu einer Super-Aufsichtsbehörde zu werden.

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