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29.05.2012

09:55 Uhr

Ägypten vor der Wahl

Zwischen Pest und Cholera

VonPierre Heumann

Es ist die Wahl zwischen zwei Übeln und richtungsweisend für das Land am Nil: wird es zur Militärherrschaft oder einem islamischen Staat? Die Hoffnungen, die die Revolution geweckt hatte, werden in jedem Fall enttäuscht.

Demonstrant auf dem Tahier-Platz wehrt sich gegen Ergebnis der Wahlen. dapd

Demonstrant auf dem Tahier-Platz wehrt sich gegen Ergebnis der Wahlen.

Tel AvivMitte Juni steht Ägypten vor der schlimmstmöglichen Wahlalternative. Die Bürger haben sich zwischen einer Scharia- und einer Militärdiktatur zu entscheiden. Sie können also wählen, ob ihr Staat nach den Gesetzen der Fundamentalisten funktionieren soll. Oder ob Offiziere und Generäle wie in den letzten Jahrzehnten die Entscheidungsgremien des Staates besetzen werden, was eine Renaissance der Mubarak-Clique nach sich ziehen würde.

Nachdem in der vergangenen Woche bei den Präsidentschaftswahlen in Ägypten kein Kandidat die absolute Mehrheit der Wähler erreicht hat, treten beim Stichentscheid zwei Männer gegeneinander an, die den alten Kampf am Nil symbolisieren. Mohammed Morsi, der Moslembruder, stößt auf Ahmed Shafik, den letzten Premierminister aus der Epoche Mubarak.

Wie auch immer das Duell ausgehen wird, eines ist klar: Weder Morsi noch Shafik werden die Hoffnungen und Aspirationen der Tahrir-Jugend realisieren. Bürgerrechte wären sowohl unter Morsi als auch unter Shafik in Gefahr. Keiner von beiden wird nach demokratischen, liberalen Grundsätzen regieren. Die Enttäuschung unter denjenigen, die auf einen Neuanfang gehofft haben, ist deshalb groß. Ein säkularer Kandidat, der es nicht in die Stichwahl geschafft hat, bezeichnet Morsi als "islamischen Faschisten" und Shafik als "Militär-Faschisten". Sie hätten nicht ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um einen Günstling Mubaraks oder einen Fundamentalisten als Präsidenten zu erhalten, sagen Vertreter der Revolutionäre. Auch Salafisten fühlen sich um ihren Wahlsieg betrogen.

Der Autor ist Korrespondent in Tel Aviv. Netzhaut

Der Autor ist Korrespondent in Tel Aviv.

Sollte Morsi, der Moslembruder, die Wahl gewinnen, hätten Islamisten sowohl das Parlament als auch die Exekutive unter ihrer Kontrolle. Das würde es ihnen erleichtern, den Staat zu islamisieren. Morsi bemüht sich nicht, dieses Ziel zu verbergen: Die Einführung der Scharia sei für ihn eine Selbstverständlichkeit, zitierte ihn neulich eine ägyptische Zeitung. Obwohl die islamistischen Strömungen bei der Präsidentenwahl ein deutlich schlechteres Resultat erzielt haben als bei den Parlamentswahlen, sind die Chancen des Moslembruders gegeben. Denn er kann nicht nur auf die Unterstützung der Moscheen, sondern auch auf die gut funktionierende Organisationskraft seiner Bewegung zählen. Gut möglich, dass viele Liberale, die sich nicht zwischen den beiden Übeln entscheiden wollen, dem Stichentscheid fernbleiben. Und damit die fundamentalistischen Kräfte stärken.

Kommentare (2)

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MEDIicalVACationWith3Chars

29.05.2012, 10:47 Uhr

[ Beitrag von der Redaktion gelöscht ]

OLE-PACK-BINARIES-IN-MSDOC

29.05.2012, 12:36 Uhr

[ Beitrag von der Redaktion gelöscht ]

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