Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2007

05:14 Uhr

Afghanistan

Frühjahrsoffensiven

VonAndreas Rinke

Steht die deutsche Afghanistan-Politik an einer politischen Wegscheide, ist sie kurz davor, ihre Unschuld zu verlieren? Diesen Eindruck muss man bekommen, wenn man die innenpolitische Debatte um den möglichen Einsatz deutscher Aufklärungs-Tornados verfolgt.

Dabei kreist alles um die Frage, ob sie allgemein Erkenntnisse sammeln oder gezielte Daten für Angriffe auf Taliban-Stellungen liefern sollen. In Wahrheit zeigt sich jetzt nur, dass Deutschland die Mär vom guten, neutralen Helfer in Afghanistan nicht länger aufrechterhalten kann. Tatsächlich hat die Bundeswehr von Anfang an den Krieg gegen die Taliban-Regierung mitgeführt, unter anderem mit KSK-Kräften. Im Norden liefert sie fleißig Daten auch über Drogenbarone an die Briten. Neutral war die Bundeswehr in dem Konflikt deshalb nie.

Dennoch ist die Debatte wichtig. Der Westen ist dabei, seinen Einsatz in Afghanistan neu zu justieren. Dabei kommt es sehr wohl darauf an, wo der Hauptakzent des Engagements liegt. Die USA kommen dem Drängen der Verbündeten nach und verstärken ihre zivile Hilfe. Im Gegenzug akzeptiert etwa die Bundesregierung die US-Argumentation, dass im Süden die erstarkten Taliban niedergekämpft werden müssen. Die Doppelstrategie ist richtig. Aber die zunehmende Verschmelzung beider Afghanistan-Mandate für den Antiterrorkampf und den Wiederaufbau darf nicht dazu führen, dem Pentagon nun freie Hand zu lassen: Bringt die doppelte „Frühjahrsoffensive“ den Afghanen eine spürbare Besserung ihres Alltagslebens, dann kann das Land stabilisiert werden. Bringt sie ihnen vor allem Bombenangriffe mit zivilen Toten, dann werden schon bald Parallelen zu den „Tet-Offensiven“ gegen die Vietcong in Vietnam gezogen werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×