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01.03.2012

08:26 Uhr

Aktionärsklage

Lackschaden für Piëch

VonMark Christian Schneider

Ferdinand Piëch muss nicht um seine Macht fürchten. Auch wenn die Klage der Porsche-Aktionäre gegen den VW-Patriarchen erfolgreich war, wird das Unternehmen wohl nicht gegen den eigenen Großaktionär vorgehen.

Der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piech. dpa

Der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piech.

Wolfsburg/StuttgartPiëch am Pranger. Es gibt eine Menge Menschen, die diese Schlagzeile gern lesen. Im Lauf seiner 75 Lebensjahre und bald fünf Jahrzehnte in der Automobilindustrie hat sich der Porsche-Enkel mit oftmals rücksichtslosem Auftreten viele Feinde gemacht.

Man denke nur an den von Ferdinand Piëch gestürzten Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Der dürfte sich gestern gefreut haben, dass ausgerechnet die Attacke auf ihn Piëch eine seltene Niederlage vor Gericht zugefügt hat.

Das Oberlandesgericht Stuttgart stellte eine Pflichtverletzung des VW-Aufsichtsratschefs fest. Die soll Piëch – parallel Kontrolleur bei Porsche – begangen haben, als er 2009 die Optionsgeschäfte der Porsche-Spitze nicht durchschaute und die Kreditwürdigkeit des Sportwagenbauers vor Journalisten infrage stellte.

Zwei Erklärungen drängen sich auf: Entweder war er wirklich ahnungslos – dann hätte Piëch sich als Aufsichtsrat umfassend informieren müssen. Oder er wollte Porsches Kreditwürdigkeit bewusst schädigen – dann hätte er erst recht seine Pflichten als Kontrolleur verletzt.

Mark C. Schneider

Das Landgericht Stuttgart sah das anders und wies die Klage der Verbraucherzentrale für Kapitalanleger in Berlin zunächst ab. Gegen das jetzt getroffene Urteil lässt das Oberlandesgericht keine Revision zu. Porsche hat jedoch postwendend angekündigt, den Fall vor den Bundesgerichtshof (BGH) zu bringen.

Die Pflichtverletzung eines Aufsichtsrats bringt das Unternehmen in eine schwierige Lage. Bleibt es bei dem Urteil, müsste Porsche eigentlich versuchen, Schadensersatz von Piëch zu bekommen. Dazu müsste es konkret nachweisen, dass dessen Aussagen die Kapitalkosten verteuert haben, und von Piëch den Schaden einfordern.

Es ist jedoch schwer vorstellbar, dass der Vorstand der Porsche-Holding gegen den Aufsichtsrat und Großaktionär Piëch vorgeht. Bleiben die unabsehbaren Folgen für die Schadensersatzklagen hierzulande und in den USA gegen Porsche. Anleger werfen dem Unternehmen vor, sie bei der versuchten Übernahme von VW getäuscht zu haben. Auf den ersten Blick sehen Aktienrechtler keine gravierenden Konsequenzen auf Piëch zukommen. Die schriftliche Urteilsbegründung lag gestern aber noch nicht vor.

Dennoch wird das Urteil, sofern es nicht vom BGH kassiert wird, Piëchs Reputation empfindlich beschädigen. Galt er bisher schon als jemand, der nach seinen eigenen Regeln spielt, so ist das jetzt gerichtlich belegt. Die Pflichtverletzung würde nichts an Piëchs Lebenswerk ändern. Selbst Kritiker rühmen ihn als einen der wenigen wirklich wagemutigen Unternehmer. Volkswagen steht blendend da, während sich die Konkurrenten um Allianzen bemühen.

Aber Piëch ist Chefaufseher von gleich zwei Dax-Konzernen, VW und MAN. Bei Volkswagen stellt er sich im April zur Wahl für weitere fünf Jahre. Kritische Aktionäre werden ihm fortan auf jeder Hauptversammlung das Stuttgarter Urteil unter die Nase reiben: Pflichtverletzung.

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