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26.07.2012

15:30 Uhr

Alarmsignale für die Industrie

EU-Kommissarin will Emissionshandel nachschärfen

VonKlaus Stratmann

EU-Kommissarin Hedegaard will den Emissionshandel nachschärfen. Die Kritik der Unternehmen ist berechtigt. Der Emissionshandel hat somit einen großen Teil seiner Lenkungswirkung verloren.

Die Pläne von Connie Hedegaard stoßen auf Kritik. dpa

Die Pläne von Connie Hedegaard stoßen auf Kritik.

Stellen Sie sich vor, Ihre Hausbank würde die Konditionen Ihrer Immobilienfinanzierung mit langfristiger Zinsfestschreibung wegen veränderter Marktbedingungen „anpassen“ - zu Ihren Ungunsten. Sie wären erbost und würden alles versuchen, um höhere monatliche Belastungen zu verhindern, wahrscheinlich mit guter Aussicht auf Erfolg. Jeder Vergleich hat seine Schwächen, im Prinzip aber muss sich die Industrie angesichts der Pläne von EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard so fühlen wie ein Bankkunde, dessen Vertragskonditionen im Nachhinein verschlechtert werden.

Die Pläne, die Hedegaard gestern in Brüssel vorgestellt hat, sind ein Alarmsignal für die Industrie. In den energieintensiven Branchen Stahl, Metalle, Chemie, Baustoffe, Papier und Glas geht die Angst vor zusätzlichen Belastungen um, wenn Hedegaard sich durchsetzt. Die Klimakommissarin will in den kommenden Jahren Emissionszertifikate zurückhalten, um die Preise nach oben zu treiben.

Aus Hedegaards Sicht ist der Plan alternativlos. Die Preise für Emissionszertifikate sind ins Bodenlose gefallen, sie kosten seit Monaten gerade einmal sieben Euro. Noch 2008 war der Wert kurzfristig in Richtung 30 Euro hochgeschnellt. Angesichts des Preisverfalls fehlen für die Industrie die Anreize, in die Steigerung der Effizienz zu investieren. Der Emissionshandel hat somit einen großen Teil seiner Lenkungswirkung verloren.

Doch auf die lässt sich im Moment auch gut verzichten: Die EU ist bei der Erreichung ihrer Treibhausgas-Minderungsziele für 2020 auf sehr gutem Wege. Nur muss sich die Industrie nicht ganz so sehr anstrengen wie noch vor wenigen Jahren gedacht. Dafür gibt es drei Gründe: So hat die Finanz- und Wirtschaftskrise das Niveau wirtschaftlicher Aktivität in Europa so nachhaltig gedämpft, dass die Nachfrage nach Zertifikaten langfristig niedriger ausfällt als ursprünglich prognostiziert. Diese Entwicklung kann man der Industrie jedoch nicht vorwerfen.

Ein weiterer Grund: Der Markt wurde mit Zertifikaten geflutet, die außerhalb der EU erwirtschaftet wurden - mitunter ohne große Anstrengungen, teilweise sogar unter fragwürdigen Bedingungen. Auch das drückt die Preise. Außerdem sinkt mit jedem Windrad und jeder Photovoltaikanlage, die fossile Kraftwerkskapazitäten aus dem Markt drängen, die Nachfrage nach Zertifikaten.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

26.07.2012, 16:05 Uhr

Jippe, endlich mal wieder in Griff nach Euronen aus Brüssel. Nicht genug damit, das Strom und Sprit schon jetzt unbezahlbar sind, vertreibt auch noch den letzten Rest der Industrie aus Deutschland.

Zum Kotzen diese Allmachtsphantasien in Brüssel!

Petra

26.07.2012, 16:23 Uhr

Den Politikern geht es nicht um die Umwelt!
Der Umweltschutz ist nur ein Scheinargument, um noch mehr Geld von der Industrie, und damit auch indirekt von den Verbrauchern, in den großen Umverteilungstopf nach Brüssel zu schleusen.
Wir nähern uns immer schneller einem Neo-Sozialismus!

Account gelöscht!

26.07.2012, 16:31 Uhr

Diese ganze Ökolüge muß ja weitergehen. Ist ein bißchen ins Hintertreffen geraten durch die Euro-Krise
Und wer bitte ist Frau Hedegaard? Ich kann mich nicht erinnern, die gewählt zu haben.

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