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29.01.2003

12:42 Uhr

Analyse der Rede zur Lage der Nation

Bush spielt die Uno-Karte

VonEwald Stein (Handelsblatt)

Die internationalen Reaktionen von Politik und Wirtschaft sind kaum falsch zu deuten: US-Präsident George W. Bush hat in seiner Rede an die Nation weder seinen Landsleuten noch dem globalen Publikum wirklich Neues geboten. Die im Vorfeld angeheizte Spannung diente also allenfalls der Effekthascherei.

George W: Bush. Foto: dpa

George W: Bush. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Dass der Chef des Weißen Hauses den Krieg gegen den Irak unbedingt wagen will, ist längst bekannt. So hat er mit seiner Ankündigung, am 5. Februar dem Uno-Sicherheitsrat beweisen zu wollen, dass Saddam Hussein und seine Schergen Massenvernichtungsmittel horten, allenfalls den Zeitpunkt präzisiert. Gleiches gilt für den gebetsmühlenartig formulierten Verdacht, das Zweistromland unterhalte enge Kontakte zu Osama bin Lades Terrororganisation El Kaida. Bush versuchte also lediglich einmal mehr, einen Waffengang zu rechtfertigen.

Ganz ungeschickt machte er dies freilich nicht. Im Gegenteil: Mit seinem Bekunden, die Vereinten Nation weiterhin im Spiel halten zu wollen, probt er einen Trick, der durchaus gelingen könnte. Einerseits kann damit - zumindest kurzfristig - jenen der Wind aus den Segeln genommen werden, die den Amerikanern Unilateralismus und potenziellen Bruch des Völkerrechts vorwerfen. Zudem kann er die wachsende Zahl von Bedenkenträgern im eigenen Land besänftigen.

Andererseits - und das hat für den Präsidenten ganz offensichtlich höhere Priorität - will er unbedingt eine möglichst breite Koalition für sein makaberes Unterfangen am Golf schmieden. "Burden sharing" lautet die Devise angesichts der kaum präzise zu kalkulierenden finanziellen Aufwendungen für das inzwischen ja längst mit massiven Truppenaufmärschen in der Region vorbereitete militärische Abenteuer.

Allerdings: Das Gewaltmonopol will ein George W. Bush der Weltorganisation aber nun doch nicht garantieren. Schließlich betonte er in seiner Rede mehrfach, dass Amerika die mächtigste Nation der Welt und damit für die globale Sicherheit verantwortlich sei. Und er eben dessen Führer. Folglich: Stört die Uno seine Strategie, dann negiert sie die "Sehnsucht der Amerikaner nach Frieden", Nach Bushs Ansicht wäre dies skrupellos, die Uno würde sich selbst ins Unrecht setzen.

Auf einen kurzen Nenner gebracht lautet also das Fazit der Botschaft des Präsidenten an Amerika, die Welt - und ganz besonders an Saddam: Der am Tigris herrschende Schurke muss weg, einem Krieg gegen den Irak gebührt Vorrang. Dieser Maxime haben sich alle zu beugen. Auch jene, die so ungeduldig darauf warten, dass Amerikas Wirtschaftsmotor wieder auf Touren kommt und damit Schubkraft für den Rest der Welt entwickeln kann.

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