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21.02.2012

08:11 Uhr

Analyse

Märkte sind auf die Drachme vorbereitet

VonMichael Maisch

Lange Zeit war es ein Tabu, doch inzwischen ist der Ausstieg Griechenlands aus dem Euro eine reale Option. Die Folgen einer Staatspleite bleiben unkalkulierbar - aber die Banken haben sich längst präpariert.

Vor einer Flamme ist eine zersägte Euro-Münze aus Griechenland zu sehen. dpa

Vor einer Flamme ist eine zersägte Euro-Münze aus Griechenland zu sehen.

Von Geld versteht Olaf Rogge eine ganze Menge, so viel, dass ihn Starregisseur Oliver Stone für seinen Film "Wall Street - Money never sleeps" als Berater anheuerte. Aber selbst die Story dieses Hollywood-Streifens verblasst im Vergleich zu dem ganz realen Drama der Euro-Krise, das mit immer neuen Wendungen die Finanzmärkte in Atem hält. An ein Happy End in diesem Drama mag Rogge nicht mehr glauben: "Eigentlich sollte Griechenland aus dem Euro aussteigen. Wenn das schwächste Glied aus der Kette ausscheidet, würde das den Rest der Währungsunion stärken", meint der 66-jährige Londoner Fondsmanager, der an den globalen Rentenmärkten ein Vermögen von 45 Milliarden Dollar betreut.

Tatsächlich sind es längst nicht mehr nur Politiker aus den Musterländern der Euro-Zone, für die angesichts des schier endlosen Hickhacks um die Rettung Griechenlands die Devise "Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende" attraktiver wird. Auch die Akteure an den Finanzmärkten kommen, wie Rogge, immer öfter zu dem Schluss, dass die Kosten für das Hinauszögern eines griechischen Staatsbankrotts allmählich so hoch werden, dass es sich lohnt, ernsthaft über einen Abschied des Krisenstaates aus der Euro-Zone nachzudenken.

Die drohenden Verluste einer Griechen-Pleite sind längst berechnet, zumindest soweit sie sich berechnen lassen. Inzwischen hat jede größere Bank und jeder Broker von Bedeutung die Wiedereinführung der Drachme mehrfach durchgespielt. Die Infrastruktur steht bereit, jeder weiß, was zu tun ist, sollte an einem Freitagabend nach Börsenschluss an der Wall Street tatsächlich die Nachricht kommen, dass sich die Griechen offiziell aus der Währungsunion verabschieden. Ganze Heerscharen von Anwälten sind damit beschäftigt, die komplexen juristischen Folgen eines Auseinanderbrechens der Euro-Zone zu lösen.

Kommentare (6)

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21.02.2012, 08:52 Uhr

Alles in allem bleibt doch immer noch festzuhalten, dass die die es verbockt haben (die Banken) mal wieder fein aus der Sache rausgekommen sind. In letzter Konsequenz sind es immer der Bürger und die Realwirtschaft die die Zeche zahlen ... die SPD tut gut darin sich im Wahlkampf auf Banken einzuschiessen!

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21.02.2012, 09:54 Uhr

Nach meiner Meinung waren es nicht die Banken, welche die Probleme des Euros verursacht haben. Die Einführung des Euros sollte zur Herstellung eines gemeinsamen Wirtschaftsraums führen. Ebenso wie es in der Bundesrepublik einen Länderfinanzausgleich gibt, wäre im Euroraum ein geregelter Leistungsausgleich zwischen den Staaten unterschiedlicher Leistungskraft notwendig gewesen.
Man kann sich Gedanken darüber machen, warum die Väter des Euro dafür keine stringenten Regeln vorgesehen haben. Offensichtlich haben die schwächeren Teilnehmer diese Lücke erkannt und ausgenutzt. Nach meiner Meinung ist den Politikern der Vorwurf zu machen, dass sie ihren Wählern den Ausgleichsgedanken nicht deutlich gemacht haben. Der zweite Vorwurf wäre, dass sie zu "weiche" Regelungen vorsahen.
Bei den Banken, die letztlich die Gelder der Anleger verteilt haben, sehe ich nur eine sehr kleine Schuld.

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21.02.2012, 10:05 Uhr

@bscc ... wenn "nur" Griechenland das Problem gewesen wäre hätte man das Land doch schon längst abgewickelt. Das echte Problem liegt doch darin, dass sich unsere Banken mal wieder übernommen und verzockt haben und jetzt jedoch mit den Konsequenzen ihres Handeln nicht umgehen können.
Da hat eben jemand nicht verstanden, dass zur Freiheit auch immer die Verantwortung gehört und von letzterem ist leider bei fast allen Banken nichts zu sehen.

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