Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.05.2012

18:17 Uhr

Analyse

Warum Röttgens Desaster Merkel stärkt

VonDietmar Neuerer

In NRW ist CDU-Spitzenkandidat Röttgen grandios gescheitert. So schlecht haben die Christdemokraten noch nie bei einer Wahl abgeschnitten. Gerät nun auch Merkel in den Verlierer-Sog?

Röttgen und Merkel. dpa

Röttgen und Merkel.

Dass es schlimm kommen würde, hatte man schon befürchtet. Dass die CDU in Nordrhein-Westfalen mit ihrem Spitzenkandidaten Norbert Röttgen aber dermaßen abschmiert und noch weiter abstürzt als erwartet, damit hatte niemand gerechnet. Das desaströse Ergebnis von 26 Prozent für den größten CDU-Landesverband wiegt so schwer, dass es auch an Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht spurlos vorbei gehen dürfte.

Die Kanzlerin kann eigentlich gar nicht anders, als Konsequenzen aus diesem Desaster zu ziehen. Nur welche, ist die große Frage. Das Epizentrum des politischen Erdbebens ist in Düsseldorf verortet. Hier dürften sich erste Veränderungen abzeichnen, die dann auch Berlin nicht unbeeindruckt lassen dürften. In welcher Form, hängt davon ab, wie groß der Schaden für die Gesamtpartei eingeschätzt wird. Dass der NRW-Verband vor einem Scherbenhaufen steht, dürfte unbestritten sein. Der rasche Rücktritt von Röttgen war folgerichtig - aber wohl noch nicht das Ende dieser Geschichte.

Dietmar Neuerer, Reporter für Handelsblatt Online in Berlin. Pablo Castagnola

Dietmar Neuerer, Reporter für Handelsblatt Online in Berlin.

Dass es in diese Richtung gehen wird, zeichnete sich bereits am Donnerstag ab, als die Parteiführungen in Düsseldorf und Berlin von noch nicht publizierten Umfrageergebnissen Wind bekamen, die die CDU schon unter 30 Prozent gesehen hatten. „Wenn wir unter 30 Prozent landen und keine Regierungsperspektive haben, muss Röttgen gehen – und zwar schnell“, zitierte daraufhin die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ Quellen aus der Düsseldorfer CDU-Zentrale. Damit scheint klar, wohin die Reise geht für Röttgen – ins politische Nirwana. In Berlin ist die Denke ähnlich. Zumindest ist hier zu hören, dass Röttgen seinen Landesvorsitz nicht mehr behalten könne. Auch sein Vize-Posten in der Bundespartei steht auf dem Spiel. Und ob er Bundesminister bleiben wird, steht ebenfalls in den Sternen.

Merkel wird jedenfalls handeln müssen. Das ist dann sicher auch dem Umstand geschuldet, dass Röttgen einen ganz und gar unglücklichen Wahlkampf geführt hat, der in Teilen auch die CDU-Spitze massiv verärgerte. Röttgens Ansage, dass die Landtagswahl auch eine Abstimmung über Europa und die EU-Finanzpolitik von Merkel sei, weil sie, die Kanzlerin, schließlich dafür Rückenwind aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland brauche, wurde in Berlin mit Befremden zur Kenntnis genommen. Zumal die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin in keinem Fall automatisch mit ihrer Europapolitik für das schlechte Wahlergebnis für Röttgen in Mithaftung genommen werden will. Genau das kann sie nämlich nicht gebrauchen in einer Zeit, wo sich der Wind in Europa gegen sie zu drehen droht.

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

13.05.2012, 19:15 Uhr

und der nächste cdu mann der sich selbst masakriert. ist doch seltsam das alle die merkel gefährlich werden könnten so versagen oder aussteigen.

Koboldo

13.05.2012, 21:12 Uhr

Merkel wäre bestimmt froh gewesen, wenn Röttgen mehr Stimmen hätte einfahren können. Aber dieser Mann kommt unsympatisch, arrogant und nicht bürgernah rüber, hat bei weitem nicht die Ausstrahlung von Kraft. Ein nassforsches Auftreten in der Bundespolitik dürfte sich nach dieser Schlappe erledigt haben. Trotzdem ist dieser Wahlausgang auch der Bundeskanzlerin anzulasten, die noch kurz zuvor eine noch längere Lebensarbeitszeit einforderte, aber keine harte Linie in der Griechenlandpolitik vertritt. Bei älteren Wählern hat sie damit sicherlich nicht gepunktet. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Partei die nächste Bundestagswahl gewinnt, die keine weiteren Hilfen für Griechenland einfordert.
Wenn Merkel kein Umdenken einleitet und sich weiter ihrer ach so alternativlosen politischen Linie treu bleibt, wird sie so enden, wie ihre rechthaberischen Vorgänger Kohl und Schröder!

Mazi

13.05.2012, 21:13 Uhr

Ja, die Merkel kann's.

Schon wieder einer weniger und vor allem keine eigene Verantwortung nehmen.

Ist Röttgen etwa der nächte Ehrensoldempfänger?

Das ändert alles, wenn der ESM in voller Funktion ist und die teuren Wahlen nicht mehr erfolgen müssen. Wegen der Unwichtigkeit der Wahlen können wir dann alle bei N-TV den Wahlomat benutzen. Dort können wir uns dann täglich mit sofortiger Wahlauswertung betätigen. Das ist dann wahre Volksdemokratie und niemand stört's. Röntgen hatte die Message im Wahlkampf ja schon raus gelassen.

Das hat schon etwas, wenn Frau Merkel die Wählersprache nicht hören will. Daraus kann man doch nur schließen, das der Absturz nicht stark genug war.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×