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26.05.2014

16:37 Uhr

Analyse zum neuen Protektionismus

Von wegen einiges Europa

VonTobias Döring

Nationalisten haben bei der Europawahl kräftig zugelegt. Die derzeit größten Übernahmeschlachten zeigen: Protektionistische Wirtschaftspolitik ist längst en vogue. Das Wahlergebnis könnte die Entwicklung noch fördern.

Ein Zaun um die britische Wirtschaft? Das Übernahmeangebot des US-Pharmariesens Pfizer für Astra-Zeneca erhitzt die Gemüter in der Politik.

Ein Zaun um die britische Wirtschaft? Das Übernahmeangebot des US-Pharmariesens Pfizer für Astra-Zeneca erhitzt die Gemüter in der Politik.

Die Ergebnisse der Europawahl sind eine Warnung für Europa: In Frankreich siegt der rechtsextreme Front National und die Anti-EU-Partei Ukip schlägt beide große Lager in Großbritannien. Das Erstarken der Nationalisten beunruhigt, sie wollen das Rad in der Europäischen Union (EU) zurückdrehen. Doch zumindest in der Wirtschaftspolitik handeln auch die etablierten politischen Kräfte des Kontinents oft national und protektionistisch.

Das zeigen die Übernahmeschlachten im Industriesektor und in der Pharmabranche. General Electric (GE) aus den USA kämpft weiter mit der deutschen Siemens um Alstom – und buhlt dabei immer stärker um die Gunst der französischen Regierung, die sich ein Vetorecht gesichert hat: Am Mittwoch trifft GE-Chef Jeff Immelt erneut Staatspräsident François Hollande. In Großbritannien bewegt derzeit das Milliardenangebot des US-Pharmariesens Pfizer für Astra-Zeneca die Politik. Es wäre die größte Übernahme durch eine ausländische Firma auf der Insel und der größte Deal in der Geschichte der Pharmabranche.

Am Montag endete die Angebotsfrist: Pfizer gab am Nachmittag bekannt, den Übernahmeversuch vorerst abzublasen. Ein neues Angebot in wenigen Monaten ist jedoch wahrscheinlich.

Die Führung Astra-Zenecas hatte sich gegen die Annahme ausgesprochen. Auch die Politik hatte sich eingeschaltet, wenn auch weniger protektionistisch als in Frankreich, da eine Intervention der Regierung nach geltendem Recht schwierig ist. In Ausschüssen des Unterhauses nahmen allerdings Abgeordnete aller Parteien Pfizer-Chef Ian Read in die Mangel. Und Labour-Oppositionsführer Ed Miliband beschuldigte Premier David Cameron, den Pfizer-Deal als „Cheerleader“ einfach durchzuwinken.

Der Fall Pfizer zeigt, dass es mit europäischer Einigkeit noch nicht weit her ist. Statt beim Ringen um Astra-Zeneca ausschließlich die Folgen für britische Forschung und Arbeitsplätze zu betonen, könnte die Regierung auch auf ganz Europa schauen. Denn der Pharmahersteller ist nicht nur in Großbritannien aktiv, sondern unterhält auch ein großes Forschungszentrum in Schweden.

Auch in Deutschland sind Menschen bei Astra-Zeneca in Lohn und Brot: In Wedel stünden Arbeitsplätze auf dem Spiel, denn Pfizer hat seine Deutschlandzentrale in Berlin. Bei einer Übernahme könnten der Stadt in Schleswig-Holstein zudem hohe Gewerbesteuereinnahmen wegbrechen, wenn die US-Amerikaner auf den Standort verzichten.

Auf EU-Protektionismus zu setzen, könnte in diesem Fall auch durchaus sinnvoll für die Allgemeinheit sein. Denn Pfizer ist dafür bekannt, bei Übernahmen in großem Stil Jobs zu vernichten.

Kommentare (5)

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26.05.2014, 16:55 Uhr

Wenn Juncker Präsident wird, dann fliegt bei den nächsten Wahlen der Laden EU auseinander. Der Reichtum Luxemburg basiert auf Steuergesetzen mit denen die Gewinne aus anderen Ländern abgezogen werden. Bis vor kurzem war es noch, unter Herrn Juncker, ein Paradies für Steuerflucht. Von Juncker kommt der Spruch zum Prinzip Europa: "Wir setzen eine Idee in die Welt und wenn dann kein großer Widerspruch kommt dann machen wir weiter". Dieser Mann ist mitverantwortlich für die Krise, hatte im eigenen Land einen Geheimdienst-Prozess am Hals und wurde abgewählt. Solche Leute können nicht für die Zukunft Europas eingesetzt werden.Wenn die EU so weitermacht, dann löst sie sich selbst auf.

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26.05.2014, 17:04 Uhr

Zitat : Nationalisten haben bei der Europawahl kräftig zugelegt

- man kann sie bezeichnen, wie man will: Natinalisten, Braune, Eurokriter, Euroskeptiker, Rechspopulisten, Rechte Rand, ewig Gestrige, etc.

All das vefaengt nicht mehr : die Menschen in Europa werden zunehmend muendig und falen auf die Sprueche der "Modernen Faschsten" ,die sich schwarz, rot, gruen verfaerbt haben, nicht mehr herein.

Weg mit der Utopia !

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26.05.2014, 17:23 Uhr

Und wieder bleibt das HB sich treu:

Wenn die Kommentare zu unangenehm (HB-Jargon: "unsachlich") werden, veschwindet der Artikel.

Soeben geschehen mit dem Artikel "Engand driftet ab"

http://www.handelsblatt.com/politik/international/europawahl/nach-der-europawahl-england-driftet-ab/9950752.html

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