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09.01.2004

07:07 Uhr

Arbeitsmarkt

Zu langsam und zu teuer

VonHelmut Hauschild

Die Schreckenszahl von fünf Millionen Arbeitslosen wird Deutschland in diesem Winter voraussichtlich erspart bleiben. Dennoch: Die Lage am Arbeitsmarkt ist schlechter als je zuvor – Folge eines Arbeitsmarkts, dessen Regeln in den vergangenen Jahren nicht angepasst wurden an die immer schnelllebigere Wirtschaftswelt.

Helmut Hauschild, Redakteur Handelsblatt Quelle: Handelsblatt

Helmut Hauschild, Redakteur Handelsblatt

Florian Gerster, des Kanzlers Mann für die Wende in den Arbeitsämtern, hat ganze Arbeit geleistet: Die Schreckenszahl von fünf Millionen Arbeitslosen wird Deutschland in diesem Winter voraussichtlich erspart bleiben. Allerdings, und das ist die schlechte Nachricht: Nicht der Abbau von Arbeitsplätzen wurde gebremst. Ursache dafür, dass der noch vor wenigen Monaten von Experten befürchtete Arbeitslosenrekord verfehlt wird, ist allein das strengere Regiment der Arbeitsämter.

Sie streichen die aus der Statistik, die sich nicht ernsthaft um einen Job bemühen. Das ist zwar überfällig und kein Taschenspielertrick, wie die Opposition gern kritisiert. Doch es ändert nichts daran, dass der Arbeitsmarkt schlechter dasteht als je zuvor seit Bestehen der Bundesrepublik.

Zwar gingen in der Rezession 1993 noch mehr Stellen verloren als aktuell. Aber damals schrumpfte die Wirtschaft, während sie 2002 und 2003 nur stagnierte, und die abgewickelten DDR-Kombinate belasteten die Bilanz. Außerdem profitiert Rot-Grün von der Zunahme der Minijobs, die in der Erwerbstätigenstatistik genauso zählen wie jede Vollzeitstelle.

In Wahrheit also ist die Lage heute schlechter – Folge eines Arbeitsmarkts, dessen Regeln in den vergangenen Jahren nicht angepasst wurden an die immer schnelllebigere Wirtschaftswelt. Wo früher der Lebenszyklus eines Produkts vier Jahre betrug, sind es heute vielleicht noch zwei. Ein nahezu gleich bleibend starres Arbeitsrecht führt dazu, dass die Unternehmen ihre Belegschaften zu langsam und nur mit hohen Kosten den beschleunigten Weltmärkten anpassen können. Die Folge ist bitter: Produktion wird in Länder mit billigeren Arbeitskräften verlagert, was auch ein Grund für die Investitionsschwäche in Deutschland ist.

Schröder hat erste Schritte unternommen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Sie werden aber nicht reichen, um den Arbeitsmarkt zu kurieren. Die Zahlen könnten zunächst sogar noch schlechter werden, denn bald ist auch Gersters Kreuzzug gegen die „Scheinarbeitslosen“ ausgereizt. Die nächsten Reformaufgaben warten deshalb schon. Etwa, dass Politik und Tarifparteien endlich Lösungen für die Menschen bieten, die bei den Qualifikationsschüben der Wirtschaft nicht mehr mitkommen.

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