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12.06.2013

09:41 Uhr

ARD

Die Brennpunkt-Flut

VonMartin Dowideit

Zehn Tage in Folge hat die ARD jetzt Brennpunkte zum Hochwasser gezeigt – nur teils haben sich dabei die guten Seiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gezeigt. Vor allem die Moderatoren enttäuschen. Ein Kommentar.

Sigmund Gottlieb, Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks. Screenshot

Sigmund Gottlieb, Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks.

Sigmund Gottlieb dröhnt und dröhnt und dröhnt. Man könnte ihn sich gut an einem Megafon vorstellen in einer Fußgängerzone, in der er für eine zwielichtige Tierschutzorganisation um Spenden für vermeintlich notleidende Hunde Spenden sammelt. Mit solcher Penetranz in der Stimme drängte der Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks (BR) am Montag im ARD-Brennpunkt die Zuschauer dazu, für die Hochwasser-Geschädigten zu spenden. Als wäre es nicht schon genug gewesen in der 45-minütigen Sondersendung, gleich drei Beiträge zum Thema zu bringen: Eine Reportage über Spendenorganisationen, ein Interview mit Bundespräsident Joachim Gauck, ein Interview mit dem Chef eines Spendensiegel-Verbands.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.

Das Massieren der Mitleidsdrüsen der Zuschauer war der traurige Höhepunkt von nun mehr zehn Tagen Sondersendungen in Folge – immer im Anschluss an die 20-Uhr-Tagesschau, immer mit guter bis sehr guter Quote. Die ARD wehrt sich so gegen den immer wieder aufkommenden Vorwurf, die Nachrichtenkompetenz der Sender zu verhalten auszuspielen. Und es gab Lichtblicke: In einer der ersten Sendungen zeigte die ARD etwa Video-Mitschnitte von Betroffenen und blendete Stimmen aus sozialen Netzwerken ein. In einem MDR-Brennpunkt sprach der Chefredakteur des Senders, Stefan Raue, davon, dass einzelne Luftaufnahmen von einer Drohne gemacht worden seine, einer „guten Drohne“. Das klingt nach Innovation.

Doch weder Gottlieb noch Raue schaffen es, den richtigen Ton zu treffen. Gottlieb übertreibt, beschreibt jeden gestapelten Sandsack als würde nur dadurch der Weltuntergang in letzter Sekunde gerettet werden können. Raue hingegen ist der Pastor der Fernsehmoderatoren, der statt des „Wort zum Sonntag“ das „Wort zur Flut“ verkündet. Dass ein Chefredakteur einem Könner Platz macht? Keine Chance. Dass ein Chefredakteur sich vor Ort zeigt? Keine Chance.

Die Brennpunkt-Manie zum Hochwasser hat Geschichte, schon 2002 waren MDR und BR im Dauereinsatz. Damals gab es laut ARD-Programmdatenbank einen Rekord: elf Tage in Folge eine Sondersendung zur Flut. Seitdem kam es ganze dreimal zu ähnlichen Brennpunkt-Häufungen: beim Beginn des Irak-Krieg 2003 (20 Brennpunkte mit tageweiser Unterbrechung), den Aufständen in Ägypten (sieben Brennpunkte mit Unterbrechungen) und der Tsunami und Atomkatastrophe in Japan (sieben Brennpunkte in Folge).

Es zeigt sich also, dass bei der ARD allein die Flutbilder so viele Sondersendungen rechtfertigen: Hubschrauberüberflüge überschwemmter Gebiete, angeschwemmtes und ausgeräumtes Gerümpel. Und dann ist da die Zwickmühle. Wie kann man dem Zuschauer vermitteln: Bayern säuft ab, wir berichten. Niedersachsen säuft ab, das Thema hat sich abgenutzt, wir verzichten?

Doch wenn schon Brennpunkt bis zum Exzess, dann doch bitte mit ein Abwechslung. Die Studios sind erschreckend bleiern und statisch. Die Formate einfallslos: Einzelschicksale rauf und runter, tatkräftige Bürgermeister, Sandsäcke schleppende Helfer. Es gibt keine einzige Animation, weshalb etwa ein Deich bricht. Nichts, das an Modernität erinnert. Stattdessen wird peinlich darauf geachtet, dass von jedem ARD-Sender aus den betroffenen Gebieten mindestens einmal ein Mikrofon auf dem Bildschirm gezeigt wird. ARD, Land unter.

Kommentare (5)

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HofmannM

12.06.2013, 10:32 Uhr

Und jetzt kommt heute die Bildzeitung und der Spiegel daher und topen diesen ganzen Irrsinn noch!
Da tretten diese Medien als Seher und Glaubensprediger und in manchen Fällen auch als die Inquisition selbst auf.
Wir Menschen sind also selber an der Flut Schuld. Das ist der Gipfel der Heuchelei und des Hohn!
Das menschengemachte CO2-Klimaerwärmungs Märchen (aus Erwärmung wurde jetzt ja still und heimlich WANDEL gemacht) herhalten. Die Angstpropheten bzw. Seher der menschengemachten Weltuntergangsstimmung sind mal wieder unterwegs. Das PIK und das Bundesumweltministerium sind hierbei, mit ihren untergegeben öffentlichen aber auch privaten Medien, federführend. Jedes Wetter das etwas extremer wirkt, wird von diesen Sehern vom PIK und BUM als Schuld am menschlichen CO2 Ausstoss gegeiselt. Dabei ist CO2 ein lebensnotwendiges Gas für unsere Flara und Fauna und hat nichts aber auch gar nichts mit dem Klima/Wetter am Hut! Holländische Pflanzenzüchter (Gemüse/Blumen) setzen CO2 in ihren Gewächshäusern ein um damit bessere Ernten / Wachstumsraten bei den Pflanzen zu erzielen. Der Ablaßhandel des Mittelalter ist in Form der menschengemachten CO2-Angstmärchen Klimaerwärmung ähhmmm sorry, heißt ja seit neuesten Wandel....zurückgekehrt. CO2 wird verteufelt und der Energieverzicht gepredigt. Die Aufklärung wurde in Deutschland immer mehr durch den Glauben/Ideologie ersetzt. Das ist beschämend und alarmierden zu gleich, für jeden Vernunft und Verstand Menschen!

Account gelöscht!

12.06.2013, 11:55 Uhr

Ich finde diese Kritik an der Berichterstattung völlig überzogen. Gerade die Sendung mit den drei Berichten über Spenden, Spendenorganisationen und Betroffenen fand ich in keinster Weise langweilig oder zu viel. Wie soll denn sonst darauf aufmerksam gemacht werden, dass dringend Spenden benötigt werden? Ich denke es ist fahrlässig bei solch einem Thema auch noch zu fordern, dass die Studios gestylt und die Moderatoren möglichst modern daher kommen. Bei einer Fussballübertragung kann ich das einfordern, aber bei einer Katastrophenberichterstattung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen? Überlassen sie diesen Part bitte den Privaten. Eine fundierte und sachliche Beichterstattung ist hier angebracht.

John

12.06.2013, 12:00 Uhr

Und wo bleibt die eingefeorderte Innovation auf den online-Seiten des Handelsblattes? Die Videos sind schlimmer als im TV, interaktive Grafiken (auch gern mit finanziellen Auswirkungen) Fehlanzeige.
http://datenjournalist.de/land-unter-beim-onlinejournalismus-verpasste-chancen-beim-hochwasser/

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