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23.01.2004

15:35 Uhr

ARD/ZDF

Der tiefe Riss

VonHans-Peter Siebenhaar

Noch treten ARD und ZDF gemeinsam auf und pochen in altbewährter Weise auf die Erhöhung der Rundfunkgebühren. Hinter den Kulissen ziehen ARD und ZDF längst nicht mehr an einem Strang. Schließlich kann sich das wenig selbstbewusste ZDF einen politischen Konfrontationskurs nicht leisten.

Noch treten ARD und ZDF gemeinsam auf und pochen in altbewährter Weise auf die Erhöhung der Rundfunkgebühren. Zuletzt sollte ein dürres Rechtsgutachten, dessen Kosten sich das Erste und Zweite brüderlich teilen, der Forderung nach mehr Geld ab nächstem Jahr Nachdruck verleihen. Doch aus dem gemeinsamen Kampf für 17,24 Euro ab 2005 ist längst ein zermürbender Stellungskrieg geworden. Während sich ARD-Vorsitzender Jobst Plog noch angriffslustig zeigt und den Ländern mit einem Gang zum Bundesverfassungsgericht droht, schwenkt das ZDF bereits die weiße Fahne. Das Wort Kompromiss will Markus Schächter, Chef auf dem Mainzer Lerchenberg, noch nicht in den Mund nehmen, aber von „Lösungen“ spricht er bereits gerne.

Obwohl sich ARD und ZDF öffentlich in ihrer Kollegialität gegenseitig überbieten, wird der tiefe Riss im öffentlich-rechtlichen Rundfunk immer deutlicher. Hinter den Kulissen ziehen ARD und ZDF längst nicht mehr an einem Strang. Zu unterschiedlich sind die Interessen. Schließlich kann sich das wenig selbstbewusste ZDF einen politischen Konfrontationskurs nicht leisten. Intendant Schächter weiß genau, mit einer Kampfansage an die Politik würde er sein bereits teilweise modernisiertes Haus an die Wand fahren. Die Politik hat die Mainzelmännchen traditionell fest im Griff. Schächter erinnert sich noch genau an den politischen Kuhhandel bei seiner eigenen Wahl zum ZDF-Chef. Kompromiss statt Konfrontation heißt daher die Devise in Mainz. Nicht gegen, sondern mit der Politik will das ZDF einen Ausweg aus der Gebührensackgasse finden. Die Gespräche mit den schärfsten Gegnern unter den 16 Ländern laufen auf Hochtouren. Bereits kurz vor Weihnachten lagen die ZDF-Sparvorschläge unter dem Christbaum der Ministerpräsidenten. Bei rund einem halben Dutzend Themen ist Schächter zum Entgegenkommen bereit. So könnte beispielsweise das ZDF den Bonner Dokumentationskanal Phoenix der ARD komplett überlassen. Während sich NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) offenbar kompromissbereit zeigt, schaltet sein bayerischer Amtskollege Stoiber noch auf stur. Doch der Optimismus beim ZDF ist groß, den medienpolitisch ehrgeizigen CSU-Chef zum Einlenken bewegen zu können.

Die ARD hingegen will weiter mit der Politik Hartball spielen. Mit dieser Strategie erweist sich das Erste allerdings einen Bärendienst. Denn gerade die ARD mit ihrer opulenten föderalen Struktur bietet die meisten Angriffs- und Sparmöglichkeiten. Knapp fünf Milliarden Euro bezahlen die Bürger allein an Gebühren für die ARD. Schon jetzt überblicken nur noch Eingeweihte die Vielzahl von Fernsehprogrammen und Radiosendern quer durch die Republik. Und im Programm hat in der Primetime längst der Mainstream das Sagen: Karl Moik grüßt den Rest der Welt.

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