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01.05.2012

11:11 Uhr

Außenhandel

Britische Wirtschaft kann sich behaupten

VonDavid Marsh

Auch wenn die liberal-konservative Regierung von David Cameron viele Tiefschläge erlitt: Die Außenhandelsbilanz Großbritanniens ist trotz Krise hervorragend. Für Deutschland bleiben die Briten ein wichtiger Partner.

Premierminister David Cameron leidet unter Vertrauensverlust. dapd

Premierminister David Cameron leidet unter Vertrauensverlust.

Für David Cameron, den jugendlich-naiv und unverbraucht wirkenden, aber ziemlich zynisch agierenden britischen Premierminister, waren die letzten Wochen keine leichte Zeit. Die britische Volkswirtschaft fällt mangels konsumsteigender Nachfrage in eine neue (leichte) Rezession zurück. Und aufgrund haarsträubender Gerichtsenthüllungen über engste Beziehungen zwischen der Regierung und den Presseorganen des berühmt-berüchtigten Medienoligarchen Rupert Murdoch leidet Cameron unter herbem Vertrauensverlust.

Jenseits der Politik aber sind die ökonomischen Daten beachtlich gut. Die jüngsten deutschen wie europäischen Handelsbilanzdaten liefern handfeste Indizien dafür, dass die britische Volkswirtschaft sich in einem schwierigen globalen Umfeld besser als vielfach erwartet behauptet. Ein überraschender Befund: Trotz allen Schwächelns blieb Großbritannien auch im letzten Jahr bei den Mitgliedsländern der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) vor den Vereinigten Staaten und China der bei weitem wichtigste Handelspartner. Gegenüber Deutschland sind die Briten - wieder vor China und den USA, hinter Frankreich und den Niederlanden - Außenhandelspartner Nummer drei. 

Wie jeder in Europa weiß, sucht die deutsche Industrie weltweit Kunden. Die volkswirtschaftliche Integration entwickelt sich am dynamischsten mit schnell wachsenden Schwellenländern. Die intensivsten Handelsbeziehungen existieren aber nach wie vor innerhalb Europas. Hier nimmt Großbritannien, obwohl kein Mitglied in der Währungsunion, einen erstaunlich robusten Platz ein. Mehr noch: Aufgrund der vielseitigen wirtschaftspolitischen Verflechtungen zwischen beiden Ländern erweist sich das Vereinigte Königreich als Zukunftsmodell für eine nachhaltige Wirtschaftspartnerschaft mit Deutschland.

Die Statistik spricht hier Bände. 2011 erhöhte sich der britische Export in die 17 EWWU-Staaten um zwölf Prozent auf 166 Milliarden, der chinesische dagegen um nur vier Prozent auf 217 Milliarden Euro. Insgesamt lag das Außenhandelsvolumen der Briten mit den Euro-Mitgliedsländern bei 379 Milliarden Euro, weit vor den USA mit 337 Milliarden und China mit 332 Milliarden Euro. Gegenüber Deutschland war der Erfolg nicht minder beeindruckend: Der Export nach Deutschland stieg 2011 um 27 Prozent auf 63 Milliarden, der Import um 16 Prozent auf 84 Milliarden Euro.

Kommentare (5)

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Scratchpatch

01.05.2012, 11:48 Uhr

"Scheitert der Euro, dann scheitert Europa", der vielzitierte Ausspruch Merkels war von Anfang an nicht zu Ende gedacht. Tatsächlich sieht es so aus, als würde Europa scheitern, während der Euro künstlich am Leben gehalten wird. Merkel hätte nicht nur Ökonomen nach den Kosten eines Auseinanderbrechens der Eurozone fragen sollen, sondern auch den versammelten europapolitischen Sachverstand, den es im Kanzleramt gibt. Die politischen Kosten sind enorm hoch, antideutsche Stimmung macht sich breit, Nationalismus blüht.

Die Zahlen waren von Anfang an abrufbar: Nicht nur der Handel mit Großbritannien hat sich dynamischer entwickelt als der mit Frankreich, insgesamt ist der Anteil der Eurozone an der deutschen Ausfuhr leicht gesunken seit Einführung des Euros. Sowohl innerhalb Europas als auch außerhalb Europas hat sich der Handel mit Nicht-Euro-Ländern viel stärker entwickelt als mit der Eurozone, obwohl der Euro ja eine starke Währung war, bis jetzt.

Nicht den Euro retten, sondern Europa retten sollte jetzt erste Aufgabe sein.

keeper

01.05.2012, 12:36 Uhr

http://www.tradingeconomics.com/united-kingdom/balance-of-trade

Überschuss in den "Services": 5,4 Mrd Pfund - Die Bank"Produkte" aus der Citi ...

Defizit bei den Gütern: auf 8,8 Mrd Pfund gestiegen - alles andere als "erfolgreich" ...

insbesondere der Export von Autos und Investitionsgütern ist Rückläufig, was auf schwindende Wettbewerbsfähigkeit schließen lässt - der Anstieg von Chemieexporten und Öl wird wohl nicht in der Menge, sondern im gestiegenen Preis begründet sein.

"Erfolgreich" ist höchstens die Citi - welche es nach wie vor schafft mit ihren Wettcoupons Geld ins Land zu holen...
... und die trotzdem noch vorhandene Differenz?
Richtig: wird einfach frisch gedruckt.

palmer1979

02.05.2012, 09:48 Uhr

"Seit Beginn der Währungsunion im Jahr 1999 hat sich der Außenhandel zwischen Deutschland und Großbritannien viel dynamischer entwickelt als der mit dem Hauptpartner Frankreich."

Kann nochmal jemand erklaeren, warum wir eigentlich den Euro brauchen?

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