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08.06.2017

16:30 Uhr

Bain und Cinven

Hop oder Top für die Stada-Übernahme

VonMaike Telgheder

Bei der Stada-Übernahme geht es ums Ganze: Mit einem Kniff konnten die Investoren Bain und Cinven die Offerte verlängern. Erreichen sie auch die gesenkte Angebotsschwelle nicht, ist der Deal gestorben. Ein Kommentar.

Der 22. Juni wird zum Tag der Entscheidung für den Arzneimittelhersteller. dpa

Stada

Der 22. Juni wird zum Tag der Entscheidung für den Arzneimittelhersteller.

FrankfurtSo schwer hatten es sich Bain und Cinven nicht vorgestellt, die nötigen Aktien für die Übernahme des Arzneimittelherstellers Stada zu bekommen. Einen Tag vor Ablauf der Annahmefrist am Mittwoch hatten gerade mal 21,5 Prozent der Aktionäre die Offerte angenommen: Damit waren die Finanzinvestoren weit von der vorgegebenen Mindestannahmeschwelle von 75 Prozent entfernt. Jetzt soll ein doppelter Kniff die 5,3 Milliarden Euro schwere Übernahme noch retten: Die Offerte wird um zwei Wochen verlängert und die Mindestannahmeschwelle auf 67,5 Prozent herabgesetzt.

Schaffen die Investoren diese Hürde, haben sie auch gute Chancen, die qualifizierte Mehrheit von 75 Prozent zu erreichen. Denn bei Stada sind Indexfonds mit rund zwölf Prozent investiert. Diese dürfen erst verkaufen, wenn zum Beispiel der Eigentümerwechsel klar („change of control“) und auch absehbar ist, dass das Unternehmen den M-Dax verlassen wird.

Stada-Übernahme: Finanzinvestoren senken Annahmequote

Stada-Übernahme

Finanzinvestoren senken Annahmequote

Bisher hatten zu wenige Aktionäre der Stada-Übernahme zugestimmt, deswegen haben die beiden Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven ihre Mindestannahme-Quote gesenkt. Auch die Angebotsfrist wurde verlängert.

Aber bei Stada haben auch weniger Privataktionäre als erhofft ihre Aktien angedient. Und diese sind mit einem Anteil von 27 Prozent eine große Gruppe. Wie viele Pharmazeuten an dem einst von Apothekern gegründeten Unternehmen noch beteiligt sind, lässt sich nicht klar ermitteln. Auf jeden Fall gewinnen die Finanzinvestoren und auch die Stada-Führungsgremien um Vorstandschef Matthias Wiedenfels, die die Übernahme klar befürworten, noch Zeit. Nun müssen sie bei traditionsbewussten Anlegern, die „ihre“ Stada nicht aus der Hand geben wollen, für den Deal trommeln.

Einst ist allerdings schon heute klar: Wird die Mindestannahmeschwelle am 22. Juni nicht erreicht, ist die Übernahme von Stada gescheitert. Noch einmal kann die Annahmefrist laut deutschen Übernahmerecht nicht verlängert werden und auch die Mindestannahmeschwelle nicht abgesenkt. Frühestens ein Jahr später können Bain und Cinven dann einen neuen Anlauf für eine Übernahme nehmen.

Die Stada-Aktie, die im Zuge des Übernahmepokers fast 50 Prozent an Wert gewonnen hat und nun fast beim Angebotspreis von 66 Euro notiert, dürfte dann wohl kräftig an Wert verlieren. Das legt zumindest der Fall des Düngemittelhersteller K+S nahe. Mitte 2015 ließ die Hoffnung auf eine Übernahme durch die kanadische Potash Corporation die Titel um fast 40 Prozent nach oben schießen, um nach dem Rückzug von Potash sogar unter das Niveau vor Beginn der Übernahmespekulationen zu sinken.

Bei Stada steigt die Spannung: Am 22. Juni ist Tag der Entscheidung.

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