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11.01.2008

17:00 Uhr

Die Übernahme von Coutrywide durch die Bank of America (BoA) lässt sich aus zwei sehr unterschiedlichen Sichtweisen interpretieren. Wenn der größte Baufinanzierer Amerikas nur noch durch einen Verkauf vor dem drohenden Konkurs gerettet werden kann, gibt es für ein baldiges Ende der Immobilienkrise wenig Hoffnung. Betrachtet man die Sache dagegen positiv, könnte man auch sagen: wenn die zweitgrößte Bank groß ins Hypothekengeschäft einsteigt, kann es nicht mehr so schlimm um den Häusermarkt stehen. Wer hat Recht?

Die Antwort liegt ziemlich genau in der Mitte. Zunächst ist die Übernahme für BoA-Chef Kenneth Lewis nicht ganz freiwillig. Seine Bank hatte im August 2007 bereits zwei Mrd. Dollar in Countrywide gesteckt. Davon sind nach dem dramatischen Kursverlust des Baufinanzierers nur noch rund 500 Mill. Dollar übrig geblieben. Lewis hätte also weiterhin zuschauen können, wie sich sein Geld in Luft auflöst oder er musste handeln. Am Ende hat sich der Top-Banker dazu durchgerungen, noch mehr Geld in die Hand zu nehmen und den gesamten Hypothekenladen für vier Mrd. Dollar zu übernehmen. So gesehen ist der Zukauf eine günstige Gelegenheit, um sich zum Schnäppchenpreis das größte und modernste Netzwerk für den Vertrieb von Baudarlehen in Amerika zu sichern.

Richtig glücklich kann Lewis mit seinem Coup dennoch nicht sein. Die Probleme von Countrywide lösen sich ja mit einem neuen Eigentümer nicht in Luft auf. Die Zahlungsausfälle und Zwangsvollstreckungen werden weiter steigen. Die unmittelbare Konkursgefahr ist durch die neue, kapitalkräftige Mutter zwar gebannt, die Verluste zeigen sich jedoch jetzt in der Bilanz der Bank of America. Die Märkte reagierten prompt: die Aktie der Großbank gab um zwei Prozent nach und die Ratingagentur Moody’s drohte der BoA mit einer Herabstufung ihrer Bonität.

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