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23.03.2006

23:00 Uhr

Bayer will Schering

Kommentar: Gefährliche Versuchung

VonS. Hofmann

Bayer trumpft auf und greift als weißer Ritter in den Übernahmekampf um den Berliner-Schering-Konzern ein. Merck dürfte größte Mühe haben, der Konterattacke von Bayer noch etwas entgegenzusetzen.

Denn die Leverkusener bieten offenbar nicht nur deutlich mehr Geld, sondern auch die interessanteren Perspektiven für das Schering-Management und den Standort Berlin. Politischer Rückhalt dürfte daher sicher sein.

Ob die Bayer-Aktionäre genauso glücklich sein werden, steht auf einem anderen Blatt. Immerhin vollzieht Bayer mit der geplanten Schering-Übernahme einen völlig abrupten Strategieschwenk. Bis vor wenigen Tagen richtete sich der Expansionsdrang des Konzerns noch vor allem auf das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten. Bayer, so schien es, hatte sich längst mit der Rolle als mittelgroßer Player abgefunden und arbeitete erfolgreich daran, seinem Gesundheitsgeschäft eine stabilere Basis zu geben. Warum nun also der plötzliche Schwenk?

Vermutlich war die Versuchung einfach zu groß. Schering bietet für Bayer sozusagen die letzte Gelegenheit, doch noch eine Rolle als Kristallisationskern für die Pharmakonsolidierung auf europäischer Ebene zu spielen. Die Risiken sind erheblich. Was die Produktsortimente betrifft, ergibt sich ein ähnliches Bild wie bei Merck. Auch für Bayer bringt Schering nur im Krebsbereich eine nahe liegende Ergänzung.

Der Bayer-Vorstand wird sich fragen lassen müssen, ob man diesen Deal nicht schon ein paar Jahre früher und um einiges billiger hätte haben können. Natürlich kann sich Bayer leicht mit einer Kapitalerhöhung refinanzieren. Aber das ändert nichts daran, dass es hier vermutlich um einen allzu „strategischen“ Zukauf geht. Und solche Deals sind bekanntlich äußerst gefährlich.

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