Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.03.2006

13:06 Uhr

Betriebsräte

Flucht gescheitert

VonDieter Fockenbrock

Die letzte betriebsratsfreie Festung im Deutschen Aktienindex ist gestürmt. Der Softwarekonzern SAP gibt den Widerstand gegen eine Hand voll Mitarbeiter auf, die für ihr Recht auf eine Arbeitnehmervertretung nach Recht und Gesetz kämpfen. Mit Schützenhilfe der IG Metall und unter dem Schutzschild des örtlichen Arbeitsgerichts, das gar keine Alternative hat, als den Angriff der SAPler zu stützen.

Gewerkschafter fragen sich nun: Warum die ganze Aufregung, dass Beschäftigte in Deutschland ihre betrieblichen (Mitbestimmungs-)Rechte wahrnehmen? Unternehmer wie SAP-Gründer Dieter Hopp dagegen fragen sich , warum das Nein der Belegschaftsmehrheit bei SAP weniger zählt als der Wunsch einiger Abweichler. Verfechter der Betriebsratsidee sprechen von „Schönwetterregeln“, nach denen bislang die Interessen der Mitarbeiter bei SAP wahrgenommen werden. Die Gegner wettern dagegen über eine Verletzung demokratischer Regeln, wenn der Betriebsrat nach den Vorschriften des Gesetzes Einzug bei SAP hält.

Sinnlose Wortgefechte um eine ziemlich einfache Erkenntnis: Mit dem Fall SAP schwindet ein Stück Hoffnung, im überregulierten Deutschland könnte es doch noch kleine Fluchtwege geben, könnte die allseits beklagte Starre vielleicht aufgelockert werden.

Dass Betriebsräte Unternehmern zuweilen lästig werden, steht außer Frage. Dass Betriebsräte aber in schwierigen Situationen zum Frieden in den Unternehmen beitragen, ebenso. Doch muss gleich die gesamte Republik mit einer – gut gemeinten – Idee beglückt werden?

SAP wollte den dritten Weg zum Ausgleich der Interessen von Kapital und Arbeit probieren. Doch es darf nicht sein, was auch andere Konzerne sich nicht trauen. Das ist die traurige Botschaft der Niederlage bei SAP.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×