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28.01.2005

12:21 Uhr

Bevorstehende Hexenjagd

Kommentar: Ein Gau für die Fußballbranche

VonMarkus Fasse

Nun hat Robert Hoyzer also ausgepackt. Der 25-jährige Bundesligaschiedsrichter hat Spiele manipuliert und sich die Schieberei durch eigene Wetteinsätze versilbern lassen. Wenn es so etwas wie einen Gau in der Fußballbranche gibt, dann ist er seit heute Nachmittag amtlich.

Hoyzer hat nicht alleine geschoben, sagt er und will sich der Staatsanwaltschaft als Kronzeuge anbieten. Der Alptraum des Deutschen Fußballbundes wird wahr: Eine ganze Mafia hat das System offensichtlich unterwandert. Dabei hat der DFB lange genug gewartet: Hinweise auf dubiose Wettbewegungen auf einschlägigen Zockerbörsen gab es seit Monaten.

Die kommenden Tage werden eine Hexenjagd: In einer Branche, in der die Nerven ohnehin jeden Samstag blank liegen, wird jeder krumme Pfiff der in den letzten Monaten ein Spiel entschieden hat, noch einmal hervorgekrammt. Schon jetzt behaupten Trainer, wie der geschasste Hamburger Ex-Coach Klaus Toppmöller, ihr Rauswurf sei Ergebnis geschmierter Fehlentscheidungen der Schiedsrichter. Echte Fehlentscheidungen und bewusste Manipulation lassen sich in dieser Situation gar nicht mehr auseinanderhalten.

Wie groß der Schaden für die Bundesliga, Funktionäre und Sponsoren ist, lässt sich noch gar nicht absehen. Die Branche muss sich erst der Tragweite des Skandals bewusst werden, das zeigen die ersten Äußerungen. Fassungslosigkeit auf breiter Front.

Nur wenn sich rasch klären lässt, wer wann manipuliert hat, lässt sich eine Massenhysterie in der Bundesliga verhindern. Der kommende Bundesliga-Samstag wird spannend: Möglicherweise sieht so mancher Schiedsrichter schon vor dem Anpiff Rot. Hoffentlich behalten alle anderen ausnahmsweise einen kühlen Kopf.

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