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03.01.2008

05:06 Uhr

Heuschrecken und Staatsfonds sind Investoren, die in Europa mal heiß geliebt und mal abgrundtief verachtet werden. Derzeit sind sie wieder gefragt, helfen sie Europa und den USA doch, die durch Überheblichkeit selbst verschuldete Finanzkrise zu beheben. Ein paar Milliarden Dollar hier und da reichen, um Citi, UBS und Merrill Lynch vor dem Abgrund der Kreditkrise zu retten. Bislang regt sich dazu kaum öffentlicher Widerstand.

Nun zeichnet sich ab, dass die im Rohstoffboom reich gewordenen Fonds der Schwellenländer ihre Finger auch nach den Börsenkonzernen ausstrecken. Die Londoner Börse LSE sowie die US-Technologiebörse Nasdaq haben mit Katar und Dubai bereits Großaktionäre aus diesem Raum. Merkwürdigerweise regt sich auch in diesem Fall niemand auf. Dubai hat von den US-Behörden zügig grünes Licht für die Beteiligung bekommen. Die Börsen als wichtigste Infrastruktur des westlichen Kapitalismus stehen also den „gefährlichen“ Investoren offen, die man etwa als Hafenbetreiber nicht dabeihaben wollte.

Die Börsenkonzerne haben den Vorteil, fast unbeachtet von der Öffentlichkeit zu agieren. Anders als beim Flugzeugbau mit seinen vielen Tausend Arbeitsplätzen lohnen sich hier Interventionen für wahlkämpfende Politiker kaum. Die neuen Herren sind auch deshalb so gefragt, weil sie neues Geschäft für die Zukunft mitbringen. Das Wachstum der Finanzindustrie liegt eben dort, wo bereits heute der Wohlstand explosionsartig wächst. Getreu der Devise „Geld stinkt nicht“ öffnen sich daher sogar die sonst so patriotischen USA. Berlin und Wiesbaden sollten sich diesem Pragmatismus anschließen, sollten irgendwann einmal Scheichs bei der Deutschen Börse anklopfen.

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