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14.04.2006

08:05 Uhr

Keiner der Börsenmanager konnte oder wollte Kompromisse machen, die nationale Heiligtümer berührten. Unterstützt wurden sie dabei von der Politik, aber auch von der veröffentlichten Meinung, die sich schützend vor die nationalen Börsen stellten. Unabhängig davon, ob man aus der jeweiligen nationalen Sicht dafür Verständnis aufbringt oder nicht: Jetzt zeigt sich, dass dieses kurzsichtige Zögern und Zaudern ein Fehler war.

Bob Greifeld, Chef der US-Technologiebörse Nasdaq, zwingt Europas Börsenmanager und Politiker mit seinem überraschenden Einstieg bei der Londoner Börse (LSE) zu Entscheidungen. LSE-Frontfrau Clara Furse wird ihm nun kein Gespräch verweigern. Euronext-Chef Jean-François Théodore kann sich den Traum von der Fusion mit London abschminken. Und der Chef der Deutschen Börse, Reto Francioni, bekommt von Théodore endlich die ernsthaften Verhandlungen, für die er seit Wochen trommelt.

Es ist damit zu rechnen, dass am Ende des Pokerns London einer transatlantischen Achse angehört: entweder in der Verbindung mit der Nasdaq oder mit der New York Stock Exchange (Nyse), die sich genötigt fühlen könnte, den heimischen Konkurrenten in einem Bietergefecht zu übertrumpfen. Darüber hinaus kann man nur hoffen, dass Europa aus der Vergangenheit gelernt hat.

Schaffen es die übrigen Börsen nicht, sich zu einer kontinentaleuropäischen Plattform zu vereinigen, wird sich die Nyse früher oder später eine der beiden herauspicken. Für deren Aktionäre wäre das wahrscheinlich nicht einmal das Schlechteste. Der europäische Kapitalmarkt würde aber faktisch aufhören zu existieren.

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