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31.12.2011

09:48 Uhr

Börsenregeln

Sind die alten Weisheiten überholt?

VonUlf Sommer

Die Börsen schwankten in diesem Jahr besonders stark. Manche althergebrachten Regeln wurde außer Kraft gesetzt. Andere haben sich erst recht bewahrheitet. Eine Analyse.

Ulf Sommer, Handelsblatt-Redakteur. Pablo Castagnola

Ulf Sommer, Handelsblatt-Redakteur.

DüsseldorfAlte Weisheiten gelten nicht mehr. Dafür steht 2011. Staatsanleihen mit geringer Rendite sind nicht mehr sicher, seitdem Anleger befürchten, dass Staaten pleitegehen können. Aktien kaufen, Schlaftabletten nehmen und nach einigen Jahren die Papiere mit ordentlichem Gewinn wieder verkaufen, das funktioniert auch nicht mehr. Selbst auf Sicht von zehn Jahren werfen Aktien keinen Gewinn mehr ab, obwohl die Konjunktur gut läuft und die Unternehmen prächtig verdienen. Lediglich die üppigen Dividenden, die Jahr für Jahr in unseren Dax mit einfließen und ihn deshalb im Vergleich mit anderen großen Börsenindizes (positiv) verfälschen, retten uns über große Verluste hinweg.

Und schließlich: Aktien kaufen, wenn die Panik am größten ist, funktioniert auch nicht mehr, seitdem wir wissen, dass jede Verweigerungshaltung gegenüber den Börsen steigerungsfähig ist. Dem klassischen Ausverkauf mit Kursverlusten von fünf und mehr Prozent an nur einem Tag, wie im August, folgten nicht steigende Kurse, wie das früher gewesen sein mag. Das erhoffte reinigende Börsengewitter entpuppte sich in der Staatsschuldenkrise als der Beginn eines Sturms, dem noch weit tiefere Kurse folgten.

Tops des Jahres 2011 (Dax)

Linde

+ 0,17 Prozent

Adidas

+ 1,33 Prozent

Beiersdorf

+ 4,81 Prozent

SAP AG

+ 7,32 Prozent

Fresenius SE

+ 13,18 Prozent

Fresenius Medical Care

+ 20,19 Prozent

Merck KGaA

+ 26,53 Prozent

Die Flops des Jahres 2011 (Dax)

Daimler

- 34,11 Prozent

K+S

- 37,88 Prozent

ThyssenKrupp

- 42,43 Prozent

Deutsche Lufthansa

- 44,61 Prozent

RWE

- 45,75 Prozent

Metro

- 47,39 Prozent

Commerzbank

- 71,24 Prozent

Die Bilanz dieses Jahres lautet: Die Kurse schwankten stärker als üblich. Im Dax und im amerikanischen Dow Jones fielen zwischen Januar und Dezember die Kursausschläge nach oben und unten doppelt so hoch aus wie im Durchschnitt der vergangenen 50 Jahre. Daraus folgt: Noch mehr Anleger dürften sich frustriert von der Börse abwenden. Sie sind es leid, dass nicht nur kleine Zockerpapiere, sondern auch die Aktien großer und solider Konzerne wie Siemens und Daimler in kurzer Zeit um mehr als 50 Prozent schwanken. Wer Aktien hält, muss damit kalkulieren, dass sein Depot bald nur noch die Hälfte wert sein könnte.

Allerdings, solche ungewöhnlichen Jahre, in denen die Kurse sehr viel stärker als üblich schwankten, gab es schon immer. Beispiele sind 1928, 1933, 1954, 1998, 2003 und viele Jahre mehr. War es denn wirklich überraschend, dass die Kurse 2011 so instabil waren? Schon vor einem Jahr wussten wir, dass die Finanzkrise nicht ausgestanden war und die Staaten sich überschuldet hatten, weil sie die Banken mit viel Geld retten wollten, das sie gar nicht besaßen. Drei Viertel der Analysten hatten vor einem Jahr vorhergesagt, dass die Kursschwankungen im neuen Jahr eher zu- als abnehmen würden.

Kommentare (11)

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PRhodan

30.12.2011, 15:09 Uhr

Eine Weisheit gilt immer noch: lächle, es hätte schlimmer kommen können. Ich lächelte und es kam schlimmer.
Ansonsten hebe ich mir die Prognosen wieder auf, um die Analysten (mit Betonung auf den ersten 4 Buchstaben)Ende 2012 überprüfen zu können. Da gibt es doch bemerkenswerte Aussagen von der Truppe des "Chef"-Volkswirt der Postbank, die in der Vergangenheit nur daneben gelegen haben (4 Tage nach Lehman wurde DAX 8000 per Ende 2008 proklamiert) mit einem Plus von gut 20 %. Da die Stimmung beschissen ist, könnte es diesmal für diese Erbsenzähler aufgehen.

PRhodan

30.12.2011, 15:09 Uhr

Eine Weisheit gilt immer noch: lächle, es hätte schlimmer kommen können. Ich lächelte und es kam schlimmer.
Ansonsten hebe ich mir die Prognosen wieder auf, um die Analysten (mit Betonung auf den ersten 4 Buchstaben)Ende 2012 überprüfen zu können. Da gibt es doch bemerkenswerte Aussagen von der Truppe des "Chef"-Volkswirt der Postbank, die in der Vergangenheit nur daneben gelegen haben (4 Tage nach Lehman wurde DAX 8000 per Ende 2008 proklamiert) mit einem Plus von gut 20 %. Da die Stimmung beschissen ist, könnte es diesmal für diese Erbsenzähler aufgehen.

pikokelvin

30.12.2011, 15:51 Uhr

sind die HB leser dumm? nein. auf welchem planeten lebt der kommentator und vor allem in welchem jahr. 2001 oder 2011, das ist hier die frage. einen solchen kommentar hätte der honorige schreiberling in 2001 abgeben können, als der hochfrequenzhandel anfing. wir leben nunmal in 2011, da haben ganz andere börsenweisheiten (gewinnbringende) gültigkeit und nicht die, der vergangenen 80/50 jahre. der höchfrequenzhandel zum beispiel verursachte die kursschwankungen, insbesondere die vom (6.mai 2010) wer da glaubt mit seinem wissen der altzeit heute noch was zu verdienen irrt sich gewaltig und wird gnadenlos abgezockt und wendet sich von der börse ab, weil er es nicht mehr vesteht. es wird mit solchen kommentaren so getan, als sei die welt stehen geblieben und blendet den hochfrequenzhandel wohlweislich aus, um neue dumme für's "system" zu mobilisieren und deren knete abzukassieren. für viele HB leser sind derartige komments überflüssig.nach vorn schauen und nicht nach hinten lautet die devise. frohes neues jahr dann auch

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