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03.10.2012

13:16 Uhr

Bundestagswahl

Die Deutschen wollen „Merkel plus“

VonJosef Joffe

Laut einer aktuellen Wahlumfrage ist die politische Befindlichkeit der Deutschen eindeutig: Sie haben genug vom schwarz-gelben Genöle und verlangen nach einer großen Koalition. Das schont die Kandidaten im Wahlkampf.

Josef Joffe ist Autor und Herausgeber der „Zeit“.

Josef Joffe ist Autor und Herausgeber der „Zeit“.

Das Kommentariat freut sich auf Peer Steinbrück; endlich mal „klare Kante“, einer, der sagt, „wo es langgeht“, und der Kanzlerin einen „spannenden“ Wahlkampf liefert - wie die vertrauten Formeln so purzeln. Bloß passt dieses Bild vom Kandidaten nicht ganz zur Seelenlage der Nation.

Im jüngsten „Stern-RTL“-“Wahltrend“ bekunden fast 40 Prozent des Wahlvolks eine klare Vorliebe für die Große Koalition, also für die weichen Konturen des in der Mitte verankerten Gleichgewichts. Bei den Unionsanhängern sind es fast zwei Drittel - eine geradezu unglaubliche Mehrheit. Selbst zwei Fünftel der SPD-Wähler wollen das Duopol. Nur Schwarz-Gelb, den Ist-Zustand, will der deutsche Mensch nicht mehr; gerade mal müde 13 Prozent wünschen die Fortsetzung.

Kandidatencheck: Wo Steinbrück zuschlägt

Kandidatencheck

Wo Steinbrück zuschlägt

Peer Steinbrück ist ein Mann der klaren Worte. Sein Programm für die SPD-Kanzlerkandidatur ist zwar noch nicht geschrieben - aber für Steuerzahler, Anleger, Banker und Unternehmer hat er bereits einiges im Köcher.

Was die Befragten damit sagen wollen? Sie wollen „Ruhe im Karton“ - keinen Krach und schon gar keine Überraschungen. Sie wollen nicht das ewige Genöle von Schwarz-Gelb, wo die beiden Partner sich wie beste Feinde gerieren. Sie wollen auch nicht Rot-Grün. Dieses Bündnis kriegt kaum mehr als Schwarz-Gelb. Derweil nähert sich der Kinder-Kreuzzug der Piraten der Fünf-Prozent-Guillotine.

Die schreibende Klasse freut sich auf den Wahlkampf, der Deutsche als solcher reagiert kaum; gerade mal einen Punkt hat die SPD nach Steinbrücks Salbung in der „Sonntagsfrage“ dazugewonnen. Das Wahlvolk schätzt zwar das „Authentische“ an ihm, aber bitte nur in Maßen - eben einen, der an der Leine der Noch-und-wieder-Kanzlerin läuft. Das Volk will die hübsch ausbalancierte Großkoalition, die weder Zumutungen noch Überraschungen im Programm hat. Deshalb will der Wähler Merkel, die Geschmeidige und Auf-Sicht-Fahrende, die er schon zweimal gekürt hat. Die mit feiner Witterung für die Gefühlslage der Nation 2005 das Marktradikale ablegte und sich als Sozialstaatlerin wiedererfand. Die sich nach Fukushima an die Spitze der Antiatomkraftbewegung setzte.

Aber der Wähler will nicht nur Merkel, sondern „Merkel plus“: mit einer Sozialdemokratie an ihrer Seite, die den Banken zeigt, wo der Hammer hängt, und für noch mehr Sozialstaat sorgt.

Kommentare (48)

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Account gelöscht!

03.10.2012, 13:32 Uhr

Frau Merkel ist als FDJ-Funktionärin gross geworden in der DDR und ihre damalige Haltung zu Obrigkeiten denen man "dienen muss" (jetzt nicht mehr UdSSR, jetzt EU in Brüssel) nicht verändert. Das schon an Paranoia grenzende ständige Bestreben, alles aber auch alles an Problemen unter den Teppich zu kehren um diese Zentral-Macht in Brüssel aufzubauen ist sozialistische Scheuklappen-Politik und zerstört Freiheit, Individualität und Subsidiarität (Föderalismus). Gerade den Leuten aus Brüssel und EU misstrauen die Bürger in Europa am meissten. Sie sind überbezahlte Lobbyisten, die nur nach Geld und Macht streben. Und denen noch mehr Macht übergeben ? Das widerstrebt jedem normalem Europäer zutiefst.

Gibt man bei Google "Merkel DDR FDJ" ein, gibt es sehr "interessante" Seiten zu lesen. Angeblich ist ihre Stasi-Akte "verschollen", wie man lesen kann und ein Foto hat sie dem Spiegel verweigert zu veröffentlichen. Auch ihre wissenschaftliche Promotions-Arbeit mit kommunistischem Pflicht-Teil ist "verschollen". Seltsam. Viele ehemalige Wegbegleiter beschreiben die damalige Frau Merkel in der DDR als glühende Verfechterin des DDR-Regimes von damals. Sie hatte sich dort arrangiert. Dann wurde sie 1989 von Lothar de Maiziere (ex-Stasi IM Czerny, Vetter von Minister Thomas de Maiziere) in den "Demokratischen Aufbruch" geholt, später in die CDU geholt als "Kohls Mädchen"). Die demokratischen Prozesse in der CDU sind vollkommen erlahmt, genau wie die demokratischen Prozesse in Deutschland nur noch "konstruiert" sind und von den willigen System-Medien am Leben erhalten werden. Frau Merkel mag keine Gegenrede und verlangt 100% Loyalität. Wen haben wir eigentlich da als Bundeskanzlerin ? Ohne die ihr willigen System-Medien in Deutschland wäre ihre Macht niemals so weit vonstatten gegangen. Angeblich ist Frau Merkel total beliebt beim Volk ? Wirklich ? Oder steht das nur immer in der Zeitung !?

Siehe Herrn Schachtschneider dazu
http://www.rottmeyer.de/schachtschneiders-pro

Account gelöscht!

03.10.2012, 13:33 Uhr

"Defizit an Mitwirkungs- und Mitgestaltungsrechten der Bürger"

http://www.freiewelt.net/nachricht-10926/defizit-an-mitwirkungs--und-mitgestaltungsrechten-der-b%FCrger.html

Nexus

03.10.2012, 13:34 Uhr

Hat man wieder mal 1000 Leute befragt, die die Befindlichkeiten der Gesamtbevölkerung ans Tageslicht bringen sollen?
Kann man vergessen. Es geht nicht um CDU und SPD, es geht um den Euro. Da werden sich noch einige Überraschungen einstellen. Der Wahlkampf hat noch nicht begonnen. Die wirkliche Meinung der Bevölkerung werden die Wahlkämpfer der "Euro-Retter" an ihren Ständen erleben. Man kann jetzt schon viel Spass wünschen.

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