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10.01.2007

05:06 Uhr

China Life

Rote Blase

VonTorsten Riecke

Was passiert, wenn man etwas von dem Zaubertrank des Kapitalismus in die fade Brühe des Kommunismus gießt? Das explosive Gemisch fängt an zu brodeln und produziert viele Blasen.

Zu beobachten ist dieses Experiment gerade am chinesischen Aktienmarkt. Dort hat die Versicherung China Life an ihrem ersten Handelstag in Schanghai den Börsenkurs mehr als verdoppelt. Der Schlusskurs am Dienstag entsprach dem 200fachen des zuletzt erzielten Gewinns. Derart astronomische Bewertungen kannte man bislang nur aus der Interneteuphorie. Der staatlich kontrollierte Konzern steigt damit quasi über Nacht zum zweitwertvollsten Versicherer der Welt auf. Nun könnte man die Kursexplosion vor allem darauf zurückführen, dass die 1,3 Milliarden Chinesen bislang kaum Lebensversicherungen abgeschlossen haben. Die Wachstumsaussichten sind also Schwindel erregend. Dagegen spricht, dass die Aktien von China Life bereits seit 2003 in Hongkong zu einem deutlich niedrigeren Preis notiert sind. Zuletzt ist der Kurs dort um fünf Prozent gesunken.

Des Rätsels Lösung findet man nicht am Markt, sondern im Politbüro. Die Regierung hat strikte Kapitalkontrollen eingeführt, die es Chinesen erschweren, Aktien im Ausland zu erwerben, und Ausländer bremsen, die Wertpapiere in China kaufen. Hinzu kommt, dass die Regierung selbst die meisten Aktien von China Life hält und das Angebot künstlich verknappt. Das Ergebnis ist eine riesige Börsenblase, die den gesamten Aktienindex in Schanghai seit 2005 um 180 Prozent in die Höhe getrieben hat. Solche kommunistischen Blasen sind noch gefährlicher als die kapitalistischen. Zwischen 2001 und 2005 hatten die Aktien in Schanghai die Hälfte ihres Wertes verloren.

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