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13.01.2010

12:24 Uhr

China-Protest

Geschickter Schachzug von Google

VonJoachim Hofer

Man kann Google mögen oder auch nicht. Eins muss man dem Internet-Konzern aber in jedem Fall lassen: Die Firmenlenker haben ein gutes Gespür dafür, wie sie sich gekonnt in Szene setzen. Der jetzt in Aussicht gestellte Rückzug aus China ist das beste Beispiel dafür.

Quelle: ap

Man kann Google mögen oder auch nicht. Eins muss man dem Internet-Konzern aus dem Silicon Valley aber in jedem Fall lassen: Die Firmenlenker haben ein gutes Gespür dafür, wie sie sich gekonnt in Szene setzen. Der jetzt in Aussicht gestellte Rückzug aus China ist das beste Beispiel dafür.

Weltweit ernten die Amerikaner Anerkennung dafür, dass sie sich der Zensur der Volksrepublik widersetzen wollen und die Hackerangriffe aus dem Land anprangern. Doch der Schritt ist lange nicht so mutig, wie es auf den ersten Blick scheint. Auf der einen Seite ist der Marktanteil von Google im Suchmaschinengeschäft in China relativ gering. Das Unternehmen ist finanziell weich gebettet und kann die fehlenden Umsätze mit anderen neuen Vorhaben leicht ausgleichen.

Auf der anderen Seite hat der Konzern nun gute Argumente gegenüber seinen immer lauter werdenden Kritikern. Schon seit Monaten steht Google unter Beschuss, weil die Firma unzählige Daten seiner Nutzer sammelt und auswertet. Nun steht die führende Suchmaschine der Welt auf einmal auf der Seite der Guten, die gegen eine übermächtige Staatsmacht und für die Meinungsfreiheit kämpfen.

Zugegeben, die Drohung von Google ist keine reine PR, sondern hat einen ganz realen Hintergrund. Weltweit tobt in den Weiten des Internets ein Kampf der Hacker mit Unternehmen, Konsumenten und staatlichen Einrichtungen. Immer öfter versuchen Spezialisten, seien es nun gewöhnliche Kriminelle oder Geheimdienste, an sensible Daten heranzukommen. Das ist nicht nur für die Betroffenen bedrohlich. Es gefährdet auch ganze Geschäftsmodelle von IT-Dienstleistern wie Google, die Informationen von Privatleuten oder Firmen in ihren Rechenzentren speichern. Cloud Computing nennt sich das relativ neue Konzept, auf das die IT-Branche große Hoffnungen setzt, weil die Kunden damit viel Geld sparen können.

Angesichts dieser komplexen Zusammenhänge ist es nun wichtig, zwischen allzu offensiver Öffentlichkeitsarbeit von Google und berechtigten Anliegen des Konzerns zu unterscheiden. In diesem Fall deckt sich vermutlich in vielen Bereichen das Interesse von Google mit dem unzähliger Internet-Nutzer, auch in China selbst. Nur: So wenig wie die Parteistrategen in Peking über ihre wahren Absichten reden, so wenig lässt sich Google in die Karten schauen.

Kommentare (1)

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k.-h.

13.01.2010, 20:17 Uhr

in der Tat ein mehrschichtiges Ding, was Google da unter bezug auf China angeschoben hat, und für Vieles gut. ist es besser, sich erforderlichenfalls zurückzuziehen und dafür später sich in den Markt mit einer oder mehrerer Übernahmen einzukaufen? Der positive Werbeeffekt könnte mehr einbringen, als bloß die Kosten dafür. Das gilt um so mehr, als die gegenwärtige Situation für die Maximierung des Werbeeffektes spricht. Eigentlich kann es für China mittelfristig nur besser werden - und der Werbeeffekt geringer, das Angebot von Suchmaschinen eher größer und sie damit billiger.

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