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23.01.2008

05:20 Uhr

Schwamm drüber. Jetzt reisen sie wieder, die Minister. Es gibt Wichtigeres in den deutsch-chinesischen Beziehungen als die Visite des Dalai Lamas im Kanzleramt. Darauf haben sich inzwischen die Chinesen besonnen. Und das ist gut so. Außenminister Steinmeier hat mit Geschick wieder ins Lot gerückt, was die Kanzlerin ins Wanken gebracht hatte. Letztlich ist Peking auf das deutsche Bekenntnis zur Ein-China-Politik eingegangen – das im Übrigen nie zur Disposition stand –, weil die Volksrepublik im Jahr der Olympischen Spiele keine außenpolitischen Verwerfungen gebrauchen kann.

Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Schmerzschwelle in Peking unvermindert niedrig hängt, wenn auch nur der Hauch des Eindrucks entsteht, die nationale Einheit sei in Gefahr. Daher dürfte sich die chinesische Regierung nicht scheuen, wieder mit Liebesentzug zu reagieren, sollte es künftig einen ähnlichen Fall geben. Tibet und Taiwan sind und bleiben Tabuthemen.

Dass die bilateralen Spannungen nun ad acta gelegt werden, hängt nicht nur mit dem Kalender zusammen. Die Chinesen sind ausgebuffte Pragmatiker und können sich ausrechnen, was ein nachhaltiges Zerwürfnis mit einem der wichtigsten Technologielieferanten für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes bedeuten würde. Und China braucht den europäischen Markt als Absatzgebiet. Umso dringender, als die US-Konjunktur in die Rezession gleitet.

China kehrt aber auch deswegen zur Normalität zurück, weil es sich nicht aus verletzter Eitelkeit als Gesprächpartner bei der Bewältigung globaler Konflikte verweigern kann. Pekings Stimme ist gefragt. Und ein Disput wie der über das iranische Atomprogramm ist ohne konstruktive Beteiligung Chinas nicht lösbar. Auch das wissen die Realpolitiker in Peking.

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