Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.01.2007

05:56 Uhr

China

Trippelschritte

VonChristoph Rabe

Zu radikalen Änderungen ihrer Währungspolitik ist Chinas Regierung auch in diesem Jahr nicht bereit. Obwohl der Überschuss in der Handelsbilanz und die Devisenreserven neue absolute Höchststände erklimmen, bleibt Peking einer Politik der Trippelschritte treu.

Die Währung der Volksrepublik dürfte in diesem Jahr bestenfalls um fünf Prozent und damit nicht schneller als in den letzten Jahren aufgewertet werden. Damit bleibt die chinesische Währungspolitik das Kernproblem in den Wirtschaftsbeziehungen zu den USA und der EU. Beide halten Chinas Regierung vor, durch einen niedrig gehaltenen Wechselkurs der Landeswährung die Exporte in die USA und nach Europa künstlich anzufachen und gleichzeitig zu wenig für die Ankurbelung der Nachfrage auf dem heimischen Markt zu sorgen. Die Folgen sind unübersehbar: Im Sog der chinesischen Währungs- und Wirtschaftspolitik geraten bereits die ersten südostasiatischen Währungen unter Druck. So versuchten Südkorea und Thailand, ihre internationale Wettbewerbsposition durch Eingriffe in die Kapitalmärkte zu festigen. Welcher Irrweg damit beschritten wurde, lässt sich zurzeit am besten in Bangkok beobachten: Die Börsenkurse sind auf den niedrigsten Stand seit langem gesunken.

Die Kapitalschwemme in Richtung China verzerrt allerdings nicht nur das Gefüge des internationalen Handels und der Kapitalmärkte, sondern stellt auch die chinesische Geldpolitik auf eine harte Bewährungsprobe. Regierung und Zentralbank fällt es immer schwerer, dafür zu sorgen, dass die zufließenden Mittel in effiziente Projekte fließen. Und das Problem nimmt noch zu. Schätzungen zufolge könnten die auf mehr als 1 000 Milliarden Dollar gestiegenen Devisenreserven in diesem Jahr um weitere 200 Milliarden anschwellen. Je stärker die inländische Geldmenge steigt, desto mehr wird die chinesische Wirtschaft der Gefahr einer Überhitzung ausgesetzt. Auch die Preisstabilität lässt sich immer schwerer garantieren.

China trägt maßgeblich zu den vom Internationalen Währungs-fonds (IWF), von der US-Regierung und von der EU beklagten weltwirtschaftlichen Ungleichgewichten bei. Gefährlich ist Pekings Währungspolitik vor allem deshalb, weil das steigende Defizit im Handel mit den USA in direktem Zusammenhang mit dem Verlust von Arbeitplätzen steht. Zudem können die Verwerfungen eine weitere Schwächung des Dollars auslösen. Dies könnte auf die gesamte Weltwirtschaft ausstrahlen und an den Finanzmärkten neue Turbulenzen auslösen. Gleichwohl wehrt sich China hartnäckig gegen eine währungspolitische Bevormundung. Die USA sollten erst einmal vor ihrer eignen Haustür kehren, beschied die Vizegouverneurin der chinesischen Zentralbank, Wu Xiaoling, den Amerikanern auf dem Weltwirtschaftstreffen in Davos. Weder protektionistische Reflexe noch politischer Druck bringen Peking aus der Ruhe. Schritt für Schritt soll der Renminbi die Marktkräfte widerspiegeln. Eine abrupte Freigabe der chinesischen Währung wäre auch kontraproduktiv. Peking kann sich eine unkontrollierbare Kapitalflucht unter keinen Umständen leisten. Sie würde nicht nur das chinesische Wechselkursgefüge, sondern auch das anderer Staaten in den Grundfesten erschüttern.

Wohl aber kann China mehr für die Binnennachfrage leisten. In China besteht ein großes ungenutztes Potenzial an Kaufkraft. Fragen Chinas Verbraucher mehr nach, könnte zumindest der Druck, der durch die hohen Überschüsse in der Handelsbilanz erzeugt wird, allmählich reduziert werden. Dazu müsste aber die Sparquote spürbar gesenkt und Anreize für mehr Ausgabenfreudigkeit müssten geschaffen werden. Ganz wesentlich für eine allmähliche Korrektur der Ungleichgewichte ist eine nachhaltige Öffnung des chinesischen Kapitalmarkts. Chinas Banken- und Finanzsektor muss sich nach den Regeln der Welthandelsorganisation in diesem Jahr stärker als bislang dem internationalen Wettbewerb stellen. Denn nur mit einem modernisierten und liberalisierten Finanzsystem kann China die noch längst nicht abgeschlossenen Reformen vollenden.

Insofern zielt der strategische Dialog, den US-Finanzminister Henry Paulson in Peking eröffnet hat, in die richtige Richtung. China ist an einem Ausbau seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit gelegen, die in geordneten Bahnen verläuft. Nichts kann Chinas Machthaber mehr verstören als die Aussicht auf ungeordnete Verhältnisse. Das erkennen zunehmend auch die G7-Länder. Sie wollen China beim nächsten Treffen ihrer Finanzminister und Notenbankchefs am 9. und 10. Februar in Essen daher nicht mehr an den Pranger stellen. Das mag taktisch klug sein. Aber das Problem der Ungleichgewichte wird dadurch nicht gelöst.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×