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12.02.2015

10:36 Uhr

Commerzbank-Zahlen

Zwei Schritte vor, anderthalb zurück

VonMichael Maisch

Die Commerzbank feiert über eine halbe Milliarde Euro Jahresgewinn. Doch das Institut bleibt im Kerngeschäft ertragsschwach. Das wirft Zweifel an der Strategie auf – und nährt Übernahmefantasien. Ein Kommentar.

Die Ertragsschwäche ist nach wie vor ein drängendes Problem für die Bank. dpa

Die Ertragsschwäche ist nach wie vor ein drängendes Problem für die Bank.

Commerzbank-Chef Martin Blessing kommt voran – ein Stück weit zumindest. Im vergangenen Jahr konnte sein Institut dank eines starken Schlussspurts einen deutlichen Gewinnsprung verbuchen: Der Überschuss stieg 2014 von mageren 81 Millionen auf immerhin 602 Millionen Euro.

Dabei half, dass die Commerzbank weniger Geld für faule Kredite zur Seite legen musste, außerdem macht sich der Umbau im Privatkundengeschäft bezahlt und der Abbau der Altlasten kommt voran. Das sind Erfolge, keine Frage.

Bei den Aktionären und den Mitarbeitern des Geldhauses wird sich die Freude dennoch in Grenzen halten. Erstere leiden darunter, dass die Dividende trotz der Fortschritte schon wieder ausfällt. Letztere müssen mit Stellenabbau, Restrukturierungen und Sparprogrammen zurechtkommen, weil es trotz der Gewinnsteigerung wirtschaftlich nicht so gut läuft, wie es sich die Führungsmannschaft eigentlich vorgenommen hat. Die interne Mittelfristplanung Blessings sah nach Informationen des Handelsblatts für 2014 eigentlich einen Konzernüberschuss von 1,3 Milliarden Euro vor, mehr als doppelt so viel wie das jetzt präsentierte Ergebnis.

Michael Maisch ist stellvertretender Leiter des Finanzressorts des Handelsblatts. Pablo Castagnola

Der Autor

Michael Maisch ist stellvertretender Leiter des Finanzressorts des Handelsblatts.

Die Lücke zeigt, dass die Ertragsschwäche nach wie vor ein drängendes Problem für die Bank ist. Dafür gibt es gleich eine ganze Reihe von Gründen: Die chronischen Niedrigzinsen treffen das Geldhaus mit seinem traditionellen Geschäftsmodell hart. Dazu kommt: Die Mittelstandsbank, die traditionelle Stärke der Frankfurter, hängt an der europäischen Konjunktur, die nach wie vor flau vor sich hindümpelt.

Und in Deutschland, wo die Wirtschaft noch immer rund läuft, sitzen viele Mittelständler auf so viel Geld, dass sie kaum Kredite nachfragen. Diese Probleme spiegeln sich auch im Ergebnis des vergangenen Jahres wider. In der Kernbank stagnierte das operative Ergebnis bei 1,8 Milliarden Euro.

Commerzbank-Zahlen: Profitabel, aber nicht profitabel genug

Commerzbank-Zahlen

Profitabel, aber nicht profitabel genug

Die Commerzbank konnte ihren Gewinn im vergangenen Jahr kräftig steigern. Das reicht jedoch nicht, die eigenen ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Auch die Dividende bleibt aus. Es bleibt wieder einmal nur eins: sparen.

Die Ertragsschwäche könnte das wichtigste Ziel von Blessing in Gefahr bringen. Für das Jahr 2016 versprach der Vorstandschef eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von mindestens zehn Prozent. 2014 waren es 7,3 Prozent. Blessing räumt ein, dass das strategische Ziel ambitioniert ist, kapitulieren will er aber noch nicht.

Am Ende bleibt festzuhalten, dass auch fünf Jahre nach der Teilverstaatlichung noch immer nicht klar ist, ob das Geschäftsmodell der Commerzbank auf Dauer tragfähig genug ist, um die Eigenständigkeit zu sichern, oder ob das Geldhaus nicht doch zu einem Übernahmeziel wird. Ende 2014 sieht die Braut aber zumindest etwas hübscher aus, als noch zwölf Monate zuvor.

Kommentare (2)

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Herr Thomas Behrends

12.02.2015, 10:51 Uhr

Hoffentlich kommt´s zur Übernahme der Commerzbank durch ein amerikanisches Bankinstitut; dann geht die Aktie wohl wieder einmal nach oben! Die elende Verwässerung der Aktie durch die Kapitalerhöhungen des Herrn Blessing haben lediglich zu Verlusten bei den Aktionären geführt. Die COMMERZBANK hat keine Existenzberechtigung mehr!

Account gelöscht!

12.02.2015, 11:25 Uhr

Zu was braucht die Commerzbank eigentlich den größten Trading-Floor in Kontinentaleuropa hier in der Stadt (Mainzer Landstraße/Ecke Hafenstraße), wenn das " Kerngeschäft mittlerweile " Retailbanking " ist ?

Darüber hinaus bleibt festzuhalten, dass die besten Köpfe in dieser Brache sowieso NIE dorthin gegangen sind bzw.gehen würden. Weil sie sich diese schlichtweg gar nicht leisten kann. Die gehen nämlich lieber zu meinem alten Brötchengeber, der Deutschen Bank, angelsächsischen Instituten oder machen ihr eigenes Ding.

Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope and HQ of Super-Mario.


Ralph

Investmentbanker (CFA, Eurex- und Xetra-Lizenz)
- selbst. Börsenhändler -
Algo- und System-Trading

Handelsbuch mit 5,0 Mio. € Handelslimit, genehmigt durch die hinterlegte Sicherheit in physischen Gold auf dem Margin-Konto

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