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02.06.2013

14:51 Uhr

Contra Hoeneß

Uli, bitte abtreten

VonLukas Bay

Die Finals sind gespielt, nun müssen der FC Bayern und seine Sponsoren die Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. An diesem Sonntag wäre ein guter Tag für Bayern-Präsident Uli Hoeneß, um abzutreten.

Lukas Bay ist bei Handelsblatt Online Redakteur im Ressort Unternehmen.

Lukas Bay ist bei Handelsblatt Online Redakteur im Ressort Unternehmen.

Große Männer erkennt man an ihren mutigen Entscheidungen. An diesem Sonntag, wo ganz München im Freudentaumel ist, wäre ein guter Tag für Uli Hoeneß, um sich als Präsident des FC Bayern zu verabschieden.

Nie war die Gelegenheit so günstig wie heute. Viel höher kann selbst für den erfolgsverwöhnten FC Bayern nicht mehr gehen. Meisterschaft, DFB-Pokal, Champions League – alles, was in diesem Jahr zu gewinnen war, wurde gewonnen. Uli Hoeneß, der Mann der den Verein hierhin geführt hat, könnte als Legende abtreten – bevor das Verfahren wegen Steuerhinterziehung, das gegen ihn eingeleitet wurde, den Glanz der Pokale überschattet.

Ein Verfahren, das den Präsidenten des Triple-Gewinners im schlimmsten Fall hinter Gitter bringen könnte. Dass der Bayern-Präsident die großen Auftritte seiner Mannschaft überhaupt im Stadion und nicht in Untersuchungshaft mitansehen durfte, ist nur einer Millionenkaution zu verdanken. Ein Haftbefehl lag vor.

Einen Vergleich der Hoeneß-Verteidiger, der dem Bayern-Präsidenten eine Bewährungsstrafe eingebracht hätte, wurde von der Staatsanwaltschaft bereits abgelehnt. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dürfte Hoeneß nach dem Verfahren ein vorgestrafter Steuerhinterzieher sein. Das ist keine Vorverurteilung, sondern die nüchterne Bewertung der bisher bekannten Fakten. Welchem Spitzenmanager, oder welchem Politiker würde man eine derartige Straftat durchgehen lassen? Und wie mutig ist eine Selbstanzeige, die keine Konsequenzen nach sich zieht?

Es geht um mehr als Gerechtigkeit gegenüber den ehrlichen Steuerzahlern, sondern auch um die Glaubwürdigkeit der Sponsoren. Adidas, Allianz, Audi, Telekom und Volkswagen – diese fünf deutschen Großunternehmen sind die größten Sponsoren der Münchener, gleich vier davon sitzen im Aufsichtsrat des FC Bayern. Dass diesen fünf deutschen Vorständen der Mut fehlte, die eigenen Grundsätze einer sauberen Unternehmensführung durchzusetzen, ist peinlich genug für die Deutschland AG. Die Finals sind gespielt: Nun muss es darum gehen, auch die Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.

Es stimmt: Uli Hoeneß ist das Gesicht des FC Bayern. An der Spitze des Clubs ist er scheinbar unersetzlich. Doch das darf kein Argument sein, seine Straftaten zu tolerieren. All seine Verdienste könnten das Strafmaß mildern, nicht aber die eigentliche Tat relativieren. Uli Hoeneß hat den FC Bayern an die Spitze des europäischen Fußballs geführt. Nun muss er die mutigste Entscheidung seines Lebens treffen – und abtreten.

Kommentare (13)

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Brain58

02.06.2013, 15:57 Uhr

In was für einer Demokratie, in was für einem Rechtsstaat leben wir? Erst wird rechtswidrig das Steuergeheimnis gebrochen, dann macht sich die Presse auf zur Jagd.
Ja, es ist wahr, dieser Mann hat etwas getan, was verboten ist. Wahr ist aber auch, dass dieser Mann über Jahre weitaus mehr für soziale Zwecke gespendet hat, als er an Steuern schuldete. Wahr ist auch, dass er sich selbst (vielleicht strafbefreiend) angezeigt hat.
Wir leben in einem Staat, der es für richtig hält, dass jemand der 1 Million Steuern hinterzieht ins Gefängnis soll. Wir leben in einem Staat, in dem Kinderschänder ab und an auf Bewährung verurteilt werden. Und wir leben in einem Staat, in dem Politiker und Beamte Milliarden an Steuergeldern vergeuden können, ohne dass irgendjemand hier für eine Gefängnisstrafe verlangt.
Es wird Zeit, dass wir uns auf demokratische Grundsätze zurück besinnen, die da lauten: Gewaltenteilung, Gleichheit vor dem Gesetz, Verhältnismäßigkeit und in dubio pro reo.
Solange Politiker von Bürgern etwas fordern, das sie selbst nicht zu erfüllen bereit sind, ist unsere Demokratie unglaubwürdig. Wenn Hoeness zurücktreten soll, warum dann nicht auch Wowereit, Ramsauer und Platzek? Wenn Hoeness Ins Gefängnis soll, warum dann nicht auch die Verantwortlichen für die Desaster in Berlin, Stuttgart und Hamburg?

Account gelöscht!

02.06.2013, 16:54 Uhr

Welchem Spitzenmanager, oder welchem Politiker würde man eine derartige Straftat durchgehen lassen?

Wolfgang Schäuble, der im Korruptionssystem Helmut Kohls Schwarzgeld/Parteispenden über 100.000 DM eingenommen und verteilt hat.

Hochwasser

02.06.2013, 17:10 Uhr

Solange selbst Steuerberater zur Vereinfachung des Steuerrechts aufrufen ...

Es ist die Zeit der Schönredner und Stammtischphilosophen.

Solange in Berlin ein Flughafen leer steht und der verantwortliche Aufsichtsratschef vor sich hin grinst ... Solange in Hamburg die monströse Pleitenbaustelle Elbphilharmonie die Schiffe am Hafen begrüßt ...
Solange die Geschichte um den Nürburgring nicht völlig geklärt ist ...
Solange Drohnen gebaut werden, die nicht fliegen dürfen ...

Der FC Bayern ist seit 30 Jahren ein Erfolgsmodell. Die Politiker, die Hoeneß heute meiden, haben ihn gestern noch bedenkenlos hofiert. Es ist müßig über die Doppelmoral der Gesellschaft zu philosophieren.

Fragen sollten wir Schönredner uns lieber, ob der Polizeieinsatz bei einer Meisterfeier gerechtfertigt ist, wenn ein paar Kilometer entfernt die Ortschaften reihenweise absaufen. In einigen Bundesländern wird zur Zeit jede Hilfe gebraucht. Das scheint einigen Politikern und Journalisten noch nicht aufgefallen zu sein.

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