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18.01.2007

13:01 Uhr

Der Weg vom erfolgreichsten Ministerpräsidenten Deutschlands mit beneidenswert wenigen Arbeitslosen im Land, tollen Wachstums- und Haushaltszahlen zum politischen Desperado ist ziemlich kurz. Edmund Stoiber erfährt gerade seine Lektion in Stimmungsdemokratie: Wenn schon nicht eine wirkliche neue Politik in Aussicht steht, müssen wenigstens gelegentlich die Gesichter ausgetauscht werden.

Denn für eine neue Politik steht keiner seiner Herausforderer, die sich gerade so langsam aus dem Busch heraustrauen. Und so wirkliche Vorhaltungen kann man Stoiber auch nicht machen: Weder hat er Miles&More-Punkte privat verflogen, er ist alles andere als ein Amigo großer Konzerne, seine Frau hat den Dienstwagen nicht unbefugt benutzt und es gibt nicht einmal eine Geliebte, die er zur Büroleiterin befördert hat. Auch die rebellierende Landrätin Gabriele Pauli hat ja bislang keine Sachkritik geübt; sie ist höchst überrascht, welche dröhnende Ressonanz ihre zunächst eher verlegenen Attacken ausgelöst haben.

Aber gut, so funktioniert Politik: die Show-Elemente gehören dazu, ihr Anteil wächst, und irgendwann schlägt dann die mediale Superpräsenz auf den Bildschirmen in den schieren Überdruss um. Natürlich sind die Medien Verstärker des Geschehens, aber nicht der Auslöser. In diesen Tagen werden von den Büchsenspannern der jeweiligen Bewerber um höchste Partei- und Staatsämter nach dem Seehofer-Baby Namen und Adressen anderer Verhältnisse herumgereicht, zur gefälligen Verwendung.

Politiker scheinen in diesen Tagen die schlimmsten Vorurteile zu bestätigen. Sie bescheren uns eine Riesengaudi. Und ein gefährliches Maß Politikverdrossenheit.

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