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08.04.2006

14:00 Uhr

Daimler-Chrysler

Der Glückgriff

VonStefan Menzel

Am kommenden Montag wird sich Dieter Zetsche nicht mehr mit der Entschuldigung zurücklehnen können, er sei der Neue. Denn in der nächsten Woche ist die Schonfrist vorüber, die ersten 100 Tage als Daimler-Chrysler-Chef sind dann abgelaufen.

Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche.

Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche.

Von einer Schonzeit in den ersten drei Monaten kann allerdings keine Rede sein. Zetsche präsentiert schon nach dieser kurzen Zeitspanne eine beachtliche Bilanz: Sparprogramme für Mercedes und die Konzernverwaltung sind angeschoben, die defizitäre Kleinwagen-Sparte Smart geht in die nächste Sanierungsrunde, und mit dem Verkauf von EADS-Aktien wird die Fokussierung auf das Automobilgeschäft deutlicher.

Zetsche hat sich aber nicht nur wegen dieser vorzeigbaren Resultate erste Meriten verdient. Der Daimler-Chef wird in Stuttgart auch aus einem anderen Grund von vielen Seiten gelobt: Er hat in der Konzernzentrale für einen echten Kulturwandel gesorgt. Ohne Aufregung und ohne Pathos werden die Aufgaben angegangen, der nüchterne und ergebnisorientierte Arbeitsstil steht im Vordergrund. In Zetsches Umfeld ist schon häufiger vom „Glücksfall“ die Rede, wenn die Mitarbeiter über den neuen Chef reden.

Dieses Urteil ist umso erstaunlicher, als sich Zetsche in seiner kurzen Zeit an der Spitze des Unternehmens nicht nur Freunde geschaffen hat. Da ist zum Beispiel der Betriebsrat. Der neue Konzernchef achtet auf Distanz zur Arbeitnehmerbank und scheut auch vor weniger populären Entscheidungen wie dem Stellenabbau in der Verwaltung nicht zurück. Er will unbedingt in der Öffentlichkeit den Eindruck vermeiden, er stehe zu nahe an der Seite des Betriebsrats – ein Fehler, der Vorgänger Schrempp noch unterlaufen ist.

Trotz der mitunter harten Einschnitte gibt es in der Belegschaft viel Zustimmung für den neuen Kurs. Und der Grund hierfür liegt vor allem in der Person Zetsches. Der erste Mann an der Konzernspitze besitzt Glaubwürdigkeit, gerade auch nach innen hinein. Bei ihm gibt es keine Starallüren, Zetsche pflegt die vornehme Zurückhaltung. Extravaganz ist nicht sein Stil. Dazu gehört auch, dass von seinem Privatleben wenig an die Öffentlichkeit dringt. Über Frau und Familie ist selten etwas in den einschlägigen Gazetten zu lesen, das würde nicht zur zurückhaltenden Art eines Dieter Zetsche passen. Das hatte sein Vorgänger Jürgen Schrempp noch ganz anders eingeschätzt. Häufig genug war der frühere Daimler-Chef samt Ehefrau im bunten Blätterwald zu sehen.

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