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17.03.2006

10:36 Uhr

Datenschutz

Cybergate

VonAxel Postinett

Wissen Sie eigentlich, wie viele und welche Ihrer persönlichen Daten im Internet und in diversen Datenbanken und Registern zu finden sind? Nun, Sie wissen es nicht. Aber wenn Sie Pech haben, wird es Ihnen jemand einmal unaufgefordert mitteilen.

So wie etlichen Mitarbeitern des US-Geheimdienstes CIA, deren sorgfältige Tarnung ein Reporter der „Chicago Tribune“ durch akribische Web- und Datenbankrecherchen auffliegen ließ: Namen, Telefonnummern, Adressen, Tarnfirmen, geheime Trainingslager. Wer „googled“, der findet.

Wie Teile eines gigantischen Puzzles lagen alle Informationen verstreut in Onlinebüchereien, in Datenbanken wie Lexis Nexis oder waren mittels Suchmaschinen zu finden. Die Informationen gibt es frei Haus oder gegen harte Dollar.

Isoliert gesehen, waren sie wenig wert. Intelligent kombiniert, wurden sie aber zur Offenbarung. Fachleute nennen das „Datamining“. Wie Trüffelschweine durchforsten sie Informationen, um sie immer wieder neu zusammenzusetzen. Dies wird umso leichter, je mehr Wissen digitalisiert ist. Aus mühsamem Wühlen in verstauben Archiven wird ein Abfragen von Stichworten im Sekundentakt.

Der CIA-Fall ist nicht einfach auf uns übertragbar, Panikmache ist also fehl am Platz. Fachleute wie Olaf Hantel, Vorsitzender der Geschäftsführung von Lexis Nexis Deutschland, betonen zu Recht, dass in Deutschland so gut wie keine personenbezogenen Daten öffentlich zugänglich sind.

In einem Land ohne echtes Meldewesen wie den USA sieht das anders aus. Hier lässt sich relativ schnell aus einer Sozialversicherungsnummer und einem Führerschein eine Identität auf Zeit basteln. Diese quasi amtlichen Ersatzdaten müssen auch mehr oder weniger öffentlich verfügbar sein, etwa für Kreditprüfungen.

Trotzdem sollten wir nicht beruhigt wieder zur Tagesordnung übergehen. Die Cybergate-Affäre spült zu Recht eine vernachlässigte Diskussion über die digitale Privatsphäre auch bei uns wieder an die Oberfläche.

Der Datenpool wächst ungehemmt. Stichworte der jüngsten Zeit: elektronische Gesundheitskarte, biometrischer Pass, Vorratsdatenspeicherung aller Telefon- und Internetverbindungen, mögliche „Zweckerweiterung“ der bei der Auto-Maut erfassten Daten zur Verbrechensbekämpfung. Der Datenhunger des Staats wird immer größer. Im Zaum gehalten wird er allerdings durch rigide Datenschutzgesetze.

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