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23.01.2013

13:47 Uhr

Der Fall Schavan

Parteifreunde, haltet Euch raus!

VonBarbara Gillmann

So oder so - der Fall schadet der Union. Deshalb kann man den Parteifreunden der Bildungsministerin nur raten: Sie müssen sich zurückhalten, bis das Verfahren abgeschlossen ist. Ein Kommentar.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan steht ganz schön unter Druck. dpa

Bundesbildungsministerin Annette Schavan steht ganz schön unter Druck.

BerlinNun ist das universitäre Plagiats-Verfahren gegen Bundesbildungsministerin Annette Schavan also offiziell eröffnet. Das heißt noch lange nicht, dass sie deshalb zurücktreten muss. Wie in jedem anderen Verfahren gilt: Das geneigte Publikum hat das Urteil abzuwarten.
Falls sie jedoch ihren Titel verliert, muss sie zurücktreten. Eine Wissenschaftsministerin, die bei ihrer Doktorarbeit auch nur massiv geschlampt hat, kann nicht bleiben, egal wie lange das her ist. Es wäre ein nicht wieder gut zu machendes Signal an die zwei Millionen Studenten in unserem Land.
Allein die Eröffnung des Verfahrens ist allerdings noch kein Hinweis darauf, dass Schavan am Ende den Doktortitel verliert. Gerade weil vorab durchgesickert war, dass der Vorprüfer ihr eine bewusste, aktive Täuschungsabsicht unterstellt, musste das Verfahren eröffnet werden. Anderenfalls wäre der Eindruck entstanden, die Fakultät sei zu feige, weil es um eine Ministerin geht.
Rein rechtlich ist der Uni bisher auch nichts vorzuwerfen - von der Schlamperei mit dem öffentlich gewordenen Vorab-Gutachten mal abgesehen. Auch ob sie einen externen Zweitgutachter hinzuzieht, wie es die Wissenschaftsorganisationen fordern, bleibt ihr überlassen. Sie kann sich auch darauf berufen, dass die 15 Mitglieder des Fakultätsrats ausreichen.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.

Die Autorin

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.

Die Positionierung der großen Wissenschaftsorganisationen pro Schavan hat ohnehin ein „Gschmäckle“, wie man in ihrer Wahlheimat Schwaben sagen würde. Denn in der Vergangenheit haben sich die Mächtigen der Zunft sich nicht dafür eingesetzt, die Verfahrensregeln an den Unis zu vereinheitlichen, sondern immer deren Autonomie verteidigt. Ausgerechnet jetzt damit zu kommen, wo die Ministerin - von der alle diese Organisationen finanziell maßgeblich abhängen - ist wenig überzeugend. Das gilt auch für einzelne führende Wissenschaftsmanager, die sich - offenbar von Schavan selbst mit den Unterlagen versorgt - schon vorab für sie verwandt haben.

In der Sache selbst ist offensichtlich, dass es hier nicht um einen groß angelegten Betrug a la Guttenberg geht. Es geht um Schlamperei, es geht um die Verwendung von Sekundärliteratur, ohne dies überall sauber kenntlich zu machen. So sollte offensichtlich der Eindruck erweckt werden, die Autorin habe sich intensiver mit den zahlreichen Originalwerken befasst als tatsächlich der Fall war. Dabei ist es auch keine Entschuldigung, dass es sich um eine Arbeit handelt, die einen Überblick über die Literatur schaffen soll. Ob es allerdings ausreicht, den Titel anzuerkennen, oder ob damit an eine Ministerin im Nachhinein strengere Maßstäbe als an Hunderte einfacher Doktoranden angelegt werden - genau das muss die Fakultät entscheiden.
Politisch kann man den Parteifreunden Schavans nur raten: raushalten, bis das Verfahren abgeschlossen ist. Das gilt natürlich spiegelbildlich auch für ihre politischen Gegner.
Natürlich schadet der Fall Schavan der Union politisch. Wenn der Plagiats-Streit allerdings das einzige Problem der Kanzlerin und CDU-Chefin wäre, hätte sie gut lachen. Die Demokratie und die Union kann ein paar Wochen Abwarten gut aushalten.

Kommentare (7)

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Fakten

23.01.2013, 14:24 Uhr

Der Schaden für die Union wird immer größer, der Gewinn der Bundestagswahlen immer unwahrscheinlicher. Schwarz-Gelb hat für die Bürger keine Antworten mehr im bürgernahen Detail: ausufernde Strom- und Energiepreise, kommunale massive Verteuerungen, Verteuerungen der wichtigsten Grundnahrungsmittel, Nettokürzungen für Rentner und viele Arbeitnehmer, unnütze Privatisierungen im Sozialbereich zugunsten der Lobbyisten etc. Das alles dürfte Schwarz-Gelb das Genick brechen. Nur mit dem Merkelbonus kann man keine Wahl mehr gewinnen.

LJA

23.01.2013, 14:35 Uhr

Zumindest der Überschrift könnte man zustimmen. Allerdings hätte ich dann auch gerne gewusst, wie es denn mit der Parteizugehörigkeit der jetzt entscheidenden Gremienmitglieder bestellt ist.

Ein_Sparsamer

23.01.2013, 15:27 Uhr

Das Problem ist, daß es unter RotGrün noch viel schlimmer käme: Steuererhöhungen ohne Ende, Vergemeinschaftung sämtlicher Schulden des Club Meds und ungezügelte Zuwanderung unqualifizierter Migranten...
Diese Möchtegernweltverbesserer sind ein purer Alptraum!

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