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31.05.2012

09:33 Uhr

Deutsche Bank

Ackermann zwischen Hass und Dankbarkeit

VonFrank Wiebe

Josef Ackermann verkörpert alles, was die Deutschen an Managern lieben - und hassen. Er hinterlässt ein schweres Erbe. Die Deutsche Bank braucht gleich zwei Nachfolger für ihn. Das macht alles nur noch schwieriger.

Wir werden Ackermann vermissen

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Heute ist der letzte Arbeitstag von Deutschlands umstrittenstem Manager: Dr. Josef Ackermann, gebürtiger Schweizer und seit zehn Jahren Chef der Deutschen Bank. Man hatte ihn damals geholt, um eine extrem schwierige Aufgabe zu meistern: mit seiner ganzen Persönlichkeit die beiden Hälften der Deutschen Bank - ihre deutsche, traditionelle und ihre angelsächsische, vom Kapitalmarkt getragene und getriebene - miteinander zu versöhnen.

Das ist ihm zeitweise recht gut gelungen: Er war als Schweizer "deutsch" genug für die eine und als international erfahrener Investmentbanker nicht zu deutsch für die andere Seite. Mit seinem Abgang wurde freilich der Bruch wieder offenbar und sogar institutionalisiert: Die Bank hat ab morgen zwei Chefs, den Deutschen Jürgen Fitschen und den Angelsachsen Anshu Jain.

So hat Ackermann etwas geschafft, was nur auf den ersten Blick eine Glanzleistung ist: Er hat gezeigt, dass er unersetzlich ist - weil er seine Aufgabe nie zum Abschluss brachte. Aber wahrscheinlich war es auch eine unmögliche Aufgabe.

Frank Wiebe ist Kolumnist beim Handelsblatt. Frank Beer für Handelsblatt

Frank Wiebe ist Kolumnist beim Handelsblatt.

Seine Nachfolger werden sich damit noch schwerer tun als Ackermann - gerade weil sie zu zweit sind. Am Grundproblem können sie wenig ändern. Die Bank verdient mit der einen Hälfte - vor allem in London, aber auch in den USA - das große Geld an den Kapitalmärkten, lädt sich dort im Zweifel aber auch die großen Risiken auf. Mit der anderen Hälfte, im deutschen traditionellen Geschäft, lädt sie sich weniger Risiken auf, verdient aber zu wenig Geld.

Deutsche Bank beantwortet Leserfragen

Zentrale in Frankfurt

"Welche Garantie geben Sie, dass die Deutsche Bank auch in Zukunft noch eine "deutsche Bank" mit Zentrale in Deutschland bleibt? Warum sind so wenig Deutsche in den Führungsgremien vertreten?", fragt Eduard M.
Antwort: Die Deutsche Bank hat mit der Übernahme der Berliner Bank, der norisbank, der Postbank und von Sal. Oppenheim ihre Position in ihrem Heimatmarkt deutlich weiter ausgebaut. Damit ist Deutschland für die Deutsche Bank wichtiger denn je geworden. Die Deutsche Bank ist aber seit Jahren auch schon eine sehr internationale Bank, die in den wichtigsten globalen Finanzzentren vertreten ist. Diese Internationalität und Vielfalt der Belegschaft der Deutschen Bank spiegelt sich auch in ihren Führungsgremien wider. Im Übrigen sind drei Deutsche im 6-köpfigen Vorstand der Bank. Zum Vergleich: 2008 war nur ein Deutscher im Vorstand.

Gefahr für den Bundeshaushalt

„Die Bilanzsumme der Deutschen Bank betrug Ende 2011 knapp 2,2 Billionen Euro, also etwa das sechs- bis siebenfache des Bundeshaushaltes und doppelt so viel wie die gesamte Exportleistung Deutschlands. Halten Sie dieses Zahlenwerk noch für beherrschbar und glauben Sie alle Risiken, die sich in diesem Zahlenwerk an irgendeiner Stelle in der Welt angesammelt haben, vollständig im Griff zu haben?“, fragt Dieter S.
Antwort: Grundsätzlich ist es Teil der Geschäftstätigkeit einer Bank, Risiken einzugehen. Die Deutsche Bank tut dies bewusst und räumt der Überwachung dieser Risiken einen sehr hohen Stellenwert ein. Unsere konzernweiten Mess- und Überwachungsprozesse ermöglichen uns, Risiken frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig Steuerungs- oder Begrenzungsmaßnahmen ergreifen zu können. Diese starke Risikomanagementkultur trägt zur Stabilität der Deutschen Bank bei.

Risiken der Investmentbank

„Wie wollen Sie den Eindruck widerlegen, dass die Deutsche Bank aufgrund der steigenden Bedeutung der Investment-Banking Sparte zu viele Risiken eingeht?“, fragt Kai H.
Antwort: Die Deutsche Bank hat ihr klassisches Bankgeschäft durch den Kauf der Postbank, von Sal. Oppenheim und Teilen der ABN AMRO in den Niederlanden ausgebaut und damit ihre zweite Ertragssäule deutlich gestärkt, die im Jahr 2011 rund 56% des Vorsteuer-Ergebnisses beisteuerte. Die Investment Bank erwirtschaftet ihr Ertragsniveau mit deutlich weniger Risiken als vor der Krise - so wurde unter anderem der Eigenhandel eingestellt und das Risiko (gemessen am Value at Risk) um 67% reduziert. Mit diesem konservativen Risikoprofil und Liquiditätsreserven von 219 Milliarden Euro (Jahresende 2011) ist die Deutsche Bank robust aufgestellt.

Frauen in Führungspositionen

„Meines Erachtens sind die Tage, in denen die Männerwelt das Finanzgeschehen bestimmt, gezählt. Frauen in die Führungsebene, das ist die Forderung der Stunde. Ein bisschen mehr Bescheidenheit, weniger Egoismus, der Nachhaltigkeitsgedanke und emotionsloseres Vorgehen verspreche ich mir davon. Wann wird die Deutsche Bank auf diesen Zug aufspringen?“, fragt Eike H.
Antwort: Die Deutsche Bank hat sich an der freiwilligen Selbstverpflichtung der DAX30-Unternehmen zur Förderung des Anteils von Frauen in Führungspositionen beteiligt und sich gegenüber der Bundesregierung verpflichtet, den Anteil der weiblichen Führungskräfte im Senior Management bis Ende 2018 auf 25% und den Anteil der weiblichen Mitarbeiter im Management insgesamt auf 35% bis Ende 2018 zu erhöhen. Die Deutsche Bank hat ihr Ziel, den Anteil von Frauen in Senior-Führungspositionen 2011 auf 17% zu erhöhen erreicht und zugleich ihr Ziel, den Anteil von Frauen im außertariflichen Bereich auf 29,3% zu erhöhen, mit 29,7% übertroffen. Eine Reihe von Programmen und Initiativen für Frauen innerhalb der Bank, wie z.B. Mentoring Programme, unser Top Talent Programm für Frauen „ATLAS“ und Kooperationen mit namhaften Business Schools, tragen immer mehr Früchte.

Kirch-Prozess

„Wie hoch schätzt der Vorstand der Deutsche Bank AG das Risiko ein, dass ihr Jahresabschluss zum 31.12.2011 bei Klage eines Aktionärs der "Nichtigkeit" im Sinne des Aktiengesetzes anheimfallen könnte, da keine Rückstellung für das "Kirch-Risiko" passiviert wurde?“, fragt Kurt H.
Antwort: Wir sehen kein Risiko, dass der Jahresabschluss auf eine Aktionärsklage wegen fehlender Rückstellung für das Kirch-Risiko als nichtig eingestuft werden könnte. Im Fall Kirch prüfen Vorstand und Aufsichtsrat die Frage der Bildung von Rückstellungen in regelmäßigen Abständen, auch unter Einbeziehung externer Berater. Das Ergebnis dieser Prüfungen ist, dass die Voraussetzungen zur Bildung von Rückstellungen nicht vorliegen. Daher dürfen solche auch nicht gebildet werden. Unsere Beurteilung wurde für vergangene Jahre auch bereits durch mehrere OLG Entscheidungen und den BGH bestätigt.

Aktienkurs und Dividende

„Mit welchen Mitteln und wann will das Führungsduo den Aktienkurs wieder stabilisieren und an die alte Performance heranführen?“, fragt Siegfried W.
Antwort: Auch die neue Unternehmensleitung wird alles daran setzen, dass die Deutsche Bank in einem wieder etwas stabileren und vielleicht ruhigeren Umfeld profitabel wächst. Davon sollte dann auch unser Aktienkurs profitieren.

Die Strategie, die Ackermann durch den Kauf der Postbank noch untermauert hat, läuft darauf hinaus, zu hoffen, dass die Stärken beider Konzernhälften sich gegenseitig stützen - immer mit der Gefahr, dass sich in Wahrheit die Schwächen fatal ergänzen. Diese beiden Geschäftsmodelle unter einem Dach markieren den Bruch innerhalb des Konzerns.

Ackermann ist aber noch in einem anderen Sinn unersetzlich: als Projektionsfläche für alles, was die Deutschen an Managern lieben - und vor allem hassen. Der Schweizer war vertraut genug, um ihn in Deutschland dann doch als "einen von uns" zu empfinden. Aber er blieb distanziert genug, um eine Zielscheibe für Spott und Ablehnung abzugeben: Immer wenn ein Artikel oder ein Buch mit "Gier" in der Überschrift veröffentlicht wurde, wurde gerne sein Konterfei als Illustration verwendet.

Video

Anshu Jain - Ein Mann mit Macht

Video: Anshu Jain - Ein Mann mit Macht

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Kommentare (8)

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Mazi

31.05.2012, 10:16 Uhr

Es war doch erstaunlich, dass es dem Aufsichtsrat nicht gelungen war einen geeigneteren Kandidaten für das Amt zu finden und Herrn Ackermann solange die Treue hielt.

Ob das eine Stärke oder eine Schwäche des Aufsichtsgremiums war, lasse ich offen.

Account gelöscht!

31.05.2012, 10:36 Uhr

Druckfehler in Zeile 7:
"h" statt "s".
25% Rendite p.a.

Account gelöscht!

31.05.2012, 10:41 Uhr

Es ist schon schwer, Menschen in solchen Funktionen zu beurteilen. Ich maße mir das ohne hautnahes Insiderwissen auch garnicht an.
"Was für ein Bild werden sich die Deutschen in den nächsten Jahren von Fitschen und Jain machen?"
Das ist nicht schwer zu beantworten -- dieses Bild werden wieder die Medien malen, wie es halt in der Öffentlichkeit am besten ankommt.
"Und Jain ist vorerst zu unbekannt, um eine gute Angriffsfläche zu geben." Diese Bemerkung von Frank Wiebe sagt eigentlich alles darüber, wie die Medien primär berichten werden.
Ich könnte auf solcherlei Journalismus vollkommen verzichten.

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