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03.04.2006

12:17 Uhr

Deutsche Bank

Kommentar: Kirch zermürbt Breuer

VonRobert Landgraf

Breuer gibt auf, der frühere Münchener Medienunternehmer Leo Kirch hat gewonnen. In jahrelanger Kleinarbeit haben seine Rechtsanwälte den Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Rolf-E. Breuer, zermürbt. Seine kritischen Äußerungen zur Finanzlage des wenig später zusammengebrochenen Medienkonzerns von Kirch 2002 kosteten ihn das Amt. Die gerichtlichen Klagen und immer wieder neue Rechtsgutachten waren einfach zu viel.

Was für Kirch ein innerer Vorbeimarsch ist, trifft das Frankfurter Kreditinstitut hart. Zwar argumentiert Breuer bei seinem Rücktritt damit, dass er Schaden von der Bank abwenden will. Doch richtig ist das nur zum Teil. Denn der oberste Aufseher zieht sich in entscheidender Zeit zurück. Niemand weiß heute wirklich, ob der jetzige Konzernchef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, Ende des Jahres noch die Geschicke des Instituts lenken wird.

Die strittigen hohen Bonuszahlungen für Mannesmann-Führungskräfte, die er mit zu verantworten hat, werden vor Gericht noch einmal aufgerollt. Das kann zu seiner Verurteilung führen. Dem Schweizer bliebe danach nur der Rücktritt. Alle Unterstützung von vielen Konzernlenkern aus aller Welt für die hohen Bonuszahlungen würden ihm nichts helfen.

In diesem Fall hätte die Deutsche Bank aber ein Problem, ein gravierendes Problem. Sie stünde von heute auf morgen ohne einen Chef da. Und der international erfahrene Aufsichtsratschef Breuer, der die Bank bereits geführt hat, stünde ebenfalls nicht mehr zur Verfügung. Clemens Börsig könnte diese Lücke als neuer Oberaufseher nicht füllen, auch wenn er bislang im Vorstand war. Da bleibt nur noch, der Deutschen Bank die Daumen zu drücken, dass der größte anzunehmende Unfall nicht eintritt.

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