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29.01.2007

15:44 Uhr

Deutsche Telekom

Unterschätzte Dramatik

VonHans-Peter Siebenhaar

So hatte sich die Telekom den freien Wettbewerb sicherlich nicht vorgestellt – dem langjährigen Monopolisten rennt die Kundschaft davon. Das eigentliche Problem ist durchaus greifbar: Zu viel diskutiert, zu wenig für die Kunden getan.

Der Wettbewerb ist gnadenlos. Der Kampf um die wählerischen Telefonkunden in Deutschland hat für die Deutsche Telekom drastische Folgen: Dem ehemaligen Monopolisten laufen sie in Scharen weg. Das Ausmaß der Abwanderung ist größer als bisher von Telekom-Chef René Obermann erwartet. Gestern zog er die Notbremse mit einer Gewinnwarnung. Für dieses Jahr korrigierte er das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen um bis zu 1,2 Milliarden Euro nach unten.

Die Dramatik der Ereignisse zeigt: Die Telekom hat viel zu lange über die Probleme disputiert und viel zu wenig an der Kundenfront gekämpft. Die Gewinnwarnung ist dafür ein Beleg. Doch es gibt erste Hoffnungsschimmer. So konnte Obermann mit Kombi-Angeboten aus Telefon, Internet und Entertainment den Schrumpftrend beim Marktanteil für Breitbandanschlüsse umkehren. Für Obermann, der sich mehr Service und bessere Vermarktung auf seine Fahne geschrieben hat, wird dennoch eine Wende beim Ertrag schwer. Hat der neue Kapitän auf dem schwer zu steuernden Tanker namens Telekom genug Kraft, das Ruder herumzureißen?

Angesichts der diffizilen Situation hätte Obermann den Mut haben müssen, nicht weiter an der höchsten Dividende in der Konzerngeschichte festzuhalten. Die Diskrepanz zwischen opulenter Ausschüttung und miserablem Aktienkurs wird gerade angesichts der schlechten Zahlen immer auffälliger.

Im knallharten Wettbewerb im Breitband- und Mobilfunkmarkt muss die Telekom viel Geld in die Hand nehmen, um den Abwärtstrend zu stoppen. Kluge Aktionäre verzichten auf eine hohe Ausschüttung, wenn der Konzern dadurch wieder Fahrt gewinnt und sich die Aktie nach Jahren schmerzlicher Erfahrungen endlich erholt. Doch davon kann bei der Telekom bisher noch keine Rede sein.

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