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13.01.2005

07:18 Uhr

Ein deutscher Sonderweg erreicht langsam sein Ende. Mit dem Rückzug von Allianz, Commerzbank und Münchener Rück bei MAN bricht ein weiterer wichtiger Stützpfeiler der Deutschland AG weg. Banken und Versicherungen geben ihre Industriebeteiligungen ab und konzentrieren sich auf ihr eigenes Kerngeschäft. Die enge Verzahnung zwischen Industrie und Finanzwirtschaft löst sich auf, die Gesellschafterstruktur wird immer stärker internationalen Gepflogenheiten angepasst.

Wahrscheinlich wird der Rückzug bei MAN nicht das letzte Geschäft dieser Art sein: Der Aufwind an den Börsen lädt dazu ein, sich von den letzten Industriebeteiligungen zu verabschieden. Nach dem Niedergang der Börse in den vergangenen Jahren war zunächst nicht daran zu denken, dass sich für die großen Aktienpakete überhaupt Käufer finden würden.

Die deutsche Unternehmenslandschaft kann von diesem Rückzug nur profitieren. Die Industriekonzerne schwimmen sich frei von der direkten und indirekten Einflussnahme durch Banken und Versicherungen. Deren Rückzug wird letztlich für mehr Transparenz und Offenheit sorgen – von einer verbesserten Corporate Governance profitieren alle Aktionäre.

Mehr Freiheit bei einem Mischkonzern wie MAN kann dazu führen, dass Management und Aktionäre nach neuen Strukturen Ausschau halten – was auch zu einer Auflösung des MAN-Konzerns in seiner bisherigen Form führen könnte. Ein solcher Einschnitt muss aber nicht zwangsläufig mit Nachteilen verbunden sein. Denn vielleicht entsteht am Ende ein neues Konzerngebilde, das ökonomisch effizienter arbeitet. MAN muss sich schon heute die Frage gefallen lassen, welcher sinnvolle Zusammenhang zwischen Lastwagen und Druckmaschinen besteht.

Die Neuordnung der Konzernlandschaft braucht allerdings noch etwas Zeit. Ein Abschluss ist erst dann erreicht, wenn die Deutsche Bank es tatsächlich wagen sollte, sich auch von ihrem Aktienpaket bei Daimler-Chrysler zu trennen. Das wäre der letzte symbolische Akt, auf den die Deutschland AG jetzt noch wartet.

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