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23.01.2007

05:14 Uhr

Energie

Strategische Verbündete

VonMarkus Hennes

Französischer Kernkraftwerksbauer übernimmt deutschen Hersteller von Windturbinen. Auf den ersten Blick ist dies eine absurde Nachricht. Denn bis vor kurzem waren sich die beiden Lager spinnefeind.

Die deutsche Stromwirtschaft geißelte die noch unter der ersten rot-grünen Bundesregierung aufgelegten üppigen staatlichen Förderprogramme für erneuerbare Energien als wirtschaftsfeindlich und daher unsinnig. Niemals, so der Vorwurf, würde sich aus Wind erzeugter Strom zu vertretbaren Kosten produzieren lassen. Die junge Windkraftbranche wiederum revanchierte sich, indem sie unkalkulierbare Betriebsrisiken der Atomkraftwerke und die ungelöste Frage der Endlagerung anprangerte. Doch die dramatische Verteuerung der fossilen Energieträger Öl und Gas erfordert ein Umdenken. Auch aus Gründen der Versorgungssicherheit wären die großen Stromversorger schlecht beraten, sich zu stark von Importen abhängig zu machen. Auch die Alternative Kohle drängt sich nicht auf. Deren weltweite Vorkommen reichen zwar viele hundert Jahre, aber das emissionsfreie Kohlekraftwerk ist noch nicht mehr als eine technische Vision.

Kernkraftwerke und Windräder dagegen produzieren Strom, ohne dass dabei klimaschädliches CO2 entsteht. Es ist deshalb sinnvoll, an beiden Arten der Energieerzeugung festzuhalten. Repower-Chef Fritz Vahrenholt, der frühere Umweltsenator von Hamburg, predigt das seit Jahren. Seine zentrale Forderung: Der Ausstieg aus der Kernenergie bis zum Jahr 2021 muss rückgängig gemacht werden, um mehr Zeit für die notwendigen Effizienzsteigerungen bei der Windenergie zu gewinnen. Nur so ließe sich die Versorgungslücke nach dem endgültigen Abschalten aller Kernkraftwerke in Deutschland zu vertretbaren Kosten schließen. Aus einstigen Gegnern werden strategische Verbündete.

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