Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.07.2012

18:59 Uhr

Energiebranche

RWE steht vor einem Kulturbruch

VonJürgen Flauger

Der Energiekonzern muss sparen. RWE-Chef Terium will den Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz daher nicht länger garantieren, Verdi hingegen fordert zehn Jahre Beschäftigungssicherung. Die Verhandlungen drohen zu eskalieren.

Jürgen Flauger

Jürgen Flauger ist Unternehmens-Redakteur beim Handelsblatt.

RWE-Chef Peter Terium muss gleich in den ersten Monaten seiner Amtszeit eine brenzlige Situation lösen, die für den weiteren Verlauf entscheidend ist. Er muss seine Belegschaft nicht nur davon überzeugen, dass der Energiekonzern sparen und weitere Stellen streichen muss. Er muss sie dabei auch grundsätzlich auf härtere Zeiten und mehr Flexibilität einschwören. Bestehen wird er die anstehenden Verhandlungen nur, wenn er den Stellenabbau weitgehend sozialverträglich regelt. Eine Eskalation, wie sie sein Amtskollege Johannes Teyssen im vergangenen Jahr bei Eon zugelassen hat, kann sich Terium jedenfalls nicht leisten. Eine nachhaltige Frontstellung zu den Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaften wäre angesichts der großen Herausforderungen durch Energiewende und Wettbewerb fatal.

Teriums Problem: Es stehen nicht nur Verhandlungen über seine Pläne an, mehr als 2 000 zusätzliche Stellen in IT, Verwaltung und der Stromproduktion zu streichen oder zu verlagern. Hier ließe sich vermutlich noch vergleichsweise einvernehmlich ein Kompromiss finden, die Dimensionen sind schließlich deutlich geringer als bei Konkurrent Eon, der allein in Deutschland 6 000 Stellen streicht und ganze Gesellschaften schließt. Seit Monaten führen RWE-Vorstand und Gewerkschaften aber bereits Gespräche über eine Verlängerung des Vertrags zur Beschäftigungssicherung, der bislang betriebsbedingte Kündigungen weitgehend ausschloss und der Ende des Jahres ausläuft – und die Gewerkschaft Verdi will beide Verhandlungsstränge verknüpfen.

Ende Juli steht die nächste Verhandlungsrunde über die Beschäftigungssicherung an, und schon jetzt zeichnet sich ab, dass es vorerst die letzte sein wird. Verdi wird die Gespräche mit Verweis auf Teriums Abbaupläne abbrechen und das Thema bis zu den zum Jahresende anstehenden Verhandlungen über einen neuen Gehaltstarifvertrag vertagen. Dann wären Streiks programmiert, und die Situation könnte eskalieren.

Es geht bei RWE derzeit eben um mehr als reinen Stellenabbau in ausgewählten Bereichen. Verdi sieht in Teriums Abbauplänen einen Kulturbruch, weil der neue Chef auf bislang bei RWE verpönte Maßnahmen zurückgreifen will, wie das Verlagern von Stellen ins Ausland. Terium wiederum sieht bewusst die Notwendigkeit, alte Tabus aufzugeben. Wenn es überhaupt einen neuen Vertrag zur Beschäftigungssicherung geben soll, muss er nach Auffassung des RWE-Chefs viel flexibler werden.

Die Zeiten, in denen der Konzern bequem von seinen Monopolgewinnen leben konnte, sind schließlich vorbei – und damit die Möglichkeit, den Mitarbeitern sichere Arbeitsplätze zu garantieren. Die Forderung der Gewerkschaft, den Vertrag zur Beschäftigungssicherung um zehn Jahre zu verlängern, ist für ihn jedenfalls inakzeptabel.

Terium stehen also schwierige Verhandlungen bevor. An weitreichenden Zugeständnissen beim konkreten Stellenabbau wird der Konzern nicht herumkommen – auf seinem Wunsch nach mehr Flexibilität für die Zukunft wird er aber beharren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×