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29.12.2011

10:24 Uhr

Energiewende

Systemwechsel mit Brüchen

VonKlaus Stratmann

Die Energiewende war schnell beschlossene Sache. Alles in allem dauerte es nur drei Monate, da waren die wichtigsten Entscheidungen gefallen. Doch sind es auch die richtigen? Ein Kommentar zur Lage der Energiepolitik.

Klaus Stratmann, Redakteur für Energiethemen beim Handelsblatt. Pablo Castagnola

Klaus Stratmann, Redakteur für Energiethemen beim Handelsblatt.

Die Tragweite einzelner Beschlüsse zur Energiewende ist nicht abzusehen. Im Detail zeigen sich bereits jetzt unangenehme Begleiterscheinungen des Kurswechsels: Die Stromnetze zittern, es bedarf enormer Anstrengungen der Netzbetreiber, eine stabile Versorgung aufrechtzuerhalten. Große Teile der Industrie bekommen das zu spüren. Sie zahlen schon jetzt einen hohen Preis für die Energiewende.

Die Beschlüsse von Bundestag und Bundesrat zur Energiewende fußen auf der irrigen Annahme, der Umbau des Energieversorgungssystems lasse sich von oben verordnen. Tatsächlich jedoch bedarf die Umsetzung in erster Linie unternehmerischer Entscheidungen, die jedoch aus wirtschaftlichen Gründen ausbleiben oder aber an bürokratischen Hürden scheitern. Der angestrebte Systemwechsel lässt sich so nicht ohne Brüche umsetzen.

Dazu zwei Beispiele: Die Bundesregierung misst der Windkraftnutzung auf hoher See hohen Stellenwert bei. Doch der Ausbau dieser Energiequelle kommt nicht wie erhofft voran. Die technischen Herausforderungen bei der Errichtung der Windparks sind enorm, die Netzanbindung der Parks erweist sich als äußerst problematisch, und obendrein halten sich private Geschäftsbanken bei der Finanzierung der Projekte zurück.

Auch die vielen zusätzlichen Gaskraftwerke, als Back-up-Kapazitäten für die fluktuierenden erneuerbaren Energien unverzichtbar, existieren bislang nur in den Köpfen optimistischer Politiker. Über die heute bereits in Bau befindlichen Gaskraftwerke hinaus wird es kaum weitere geben. Investoren zögen wegen großer Unwägbarkeiten.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

29.12.2011, 16:41 Uhr

Beim Thema Gaskraftwerke wäre ich doch etwas zurückhaltender: Einmal gibt es eine ganze Menge Gasturbinen, die aber viel zu teuren Strom produzieren. Die werden oft nur noch für den "Schwarzstart" der Kohleblöcke am gleichen Standort betriebsbereit gehalten: Ein großer Kohleblock hat den Energieverbrauch einer Kleinstadt und wo soll der Strom herkommen, wenn das Netz komplett zusammengebrochen ist?

Zudem gibt es eine ganze Reihe von Kohlekraftwerken in "Kaltreserve", die innerhalb recht kurzer Zeit zu einem GuD-Kraftwerk umgebaut werden könnten. Aber auch das scheitert am gleichen Grund: Der Gaspreis ist zu hoch, als dass man damit Strom zu marktgängigen Preisen erzeugen könnte.

Durchblicker

29.12.2011, 21:49 Uhr

Ausgewogener Beitrag, dieser sinnlose Schnellschuß der Regierung wird uns noch zu schaffen machen. Die Lobeshymnen der Politik werden schon leiser, der Bürger wird wegen der steigenden Stromkosten sehr sauer. Mein Cousin in Frankreich bezahlt für seinen Strom weniger als die Hälfte, wer soll das noch verstehen?

Humanist

30.12.2011, 11:44 Uhr

Das fatalste an dieser Wende ist, daß sie auf lauter potiemkinsche Dörfer baut und zwar bezogen auf Sicherheiten und Kosten der Energieversorgung und warum? Weil die Regierungsparteien meinen, das Geschrei der ganzen NGO`s sei Volkes Stimme und man müsse ja seine politische Zukunft sichern: Hoffentlich erweist sich diese Zuversicht bei der nächsten Wahl als Illusion. Ist nur die Frage: gibt es eine Alternative?

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